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Marktforscher sehen Vista vor dem Kollaps

14.04.2008 | 14:38 Uhr |

Windows Vista könnte an seinem eigenen Gewicht und Unvermögen "zu Grunde gehen" oder doch zumindest erheblich an Bedeutung verlieren. Davor warnen zwei Marktforscher von Gartner.

Zwei Analysten des Marktforschungsunternehmens Gartner haben kürzlich detailliert begründet, weshalb sie Windows Vista kurz vor dem Kollaps sehen. Und Microsoft dadurch ein Riesenproblem bekommt.

Der Codeumfang von Windows seit mittlerweile derart gewachsen, dass sich nicht mal ebenso nebenbei eine neue Windows-Version entwickeln lässt, die neue Features bietet, die der Markt aktuell benötigt. Damit würden die Entwicklungszyklen für Windows viel zu lang ausfallen. Neue Windows-Versionen würden aber trotz der langen Entwicklungszeit kaum echte Neuerungen bringen, die sofort ins Auge stechen. Anwender und Unternehmen könnten überhaupt nicht erkennen, weshalb sie beispielsweise von Windows XP auf Vista umsteigen sollten. Hier könnten Konkurrenzlösungen wie Google Gears oder Adobe AIR vielleicht bald mehr bieten.

Obendrein gäbe es immer wieder Kompatibilitätsprobleme zwischen den verschiedenen Betriebssystemvarianten. Apple beispielsweise konnte für sein iPhone relativ einfach eine MacOS X-Variante entwickeln, die dem Desktop-MacOS X ähnelt. Microsoft dagegen bietet mit Windows Vista für Desktop-PCs und Notebooks einerseits und mit Windows Mobile für Smartphones andererseits zwei unterschiedliche Betriebssysteme an.

Unternehmen müssten bei dem kostspieligen Umstieg auf eine neue Windowsversion oft erst lange und ausführliche Tests mit ihren vorhandenen Anwendungen durchführen, um Inkompatibilitäten rechtzeitig zu erkennen beziehungsweise vermeiden zu können. Das würde Zeit und Geld kostet. Der Umstieg von einer älteren zur neuesten Windowsversionen würde für Unternehmen so zu einem schwer planbaren Vorhaben mit imensen Kosten. Hier würde eine in Vista integrierte Virtualisierungslösung, die das Starten von älteren Anwendungen unter einer älteren Windows-Version ermöglicht, spürbar Abhilfe schaffen.

Außerdem sei Windows Vista nicht modular einsetzbar und obendrein sehr ressourcenhungrig, was den Einsatz auf älteren Rechnern unmöglich mache. Dadurch entstehen Unternehmen ärgerliche Zusatzkosten. Außerdem verliert Microsoft damit die Entwicklungs- und Schwellenländer als Kunden. Denn gerade in weniger hoch entwickelten Staaten kommt oft ältere oder per se knapp dimensionierte Hardware zum Einsatz, die sich dann unter Umständen nur noch mit Linux vernünftig betreiben lässt. Das ist für Microsoft umso problematischer, weil gerade der PC-Absatz in Dritte-Weltstaaten stark wächst, während in den westlichen Industriestaaten nur in deutlich geringerem Maße neue Rechner angeschafft werden - der Markt ist hier schon weitgehend gesättigt.

Obendrein erwächst Vista mit der immer stärkeren Verschmelzung von Internet- und Desktop-Anwendungen wie Google Gears (und darauf basierende Anwendungen wie Google Text und Tabellen) oder Adobe AIR (mit dem Adobe Media Player) eine ernsthafte Gefahr. Das Betriebssystem wird hierdurch zunehmend überflüssig, die webbasierten Anwendungen benötigen nur ihr Lautzeitumgebung um funktionieren zu können - egal ob unter Windows, MacOS oder Linux. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt - und damit sei zu rechnen - dann wird Windows in der Mitte des nächsten Jahrzehnts eine deutlich kleinere Rolle spielen als heute.

Die Ausführungen gipfelten in einem Satz, der Microsoft schwer im Magen liegen dürfte: "Windows, so wie wir es kennen, muss ersetzt werden".

Trotz all dieser Kritik wollen die Gartnerexperten Vista aber noch nicht zu Grabe tragen. Unternehmen sollten nicht völlig auf Microsofts neuestes Baby verzichten, sondern es stattdessen nach und nach einführen, wenn man ohnehin neue Rechner anschafft, auf denen Vista bereits vorinstalliert ist. Die IT-Verantwortlichen sollten zudem die Virtualisierungstechnologien genau im Auge behalten und auch auf betriebssystemunabhängige Lösungen achten, die unabhängig von Windows neue Möglichkeiten für den Unternehmenseinsatz bringen.

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