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Microsoft: Anhörung beendet

28.02.2001 | 11:49 Uhr |

Das Berufungsverfahren in dem spektakulären Microsoft-Prozess ist am Dienstag nach zweitägigen Anhörungen in Washington zu Ende gegangen. Die Anwälte des Software-Riesen forderten, die von Bundesrichter Thomas Penfield Jackson angeordnete Zerschlagung des Unternehmens aufzuheben.

Das Berufungsverfahren in dem spektakulären Microsoft-Prozess ist am Dienstag nach zweitägigen Anhörungen in Washington zu Ende gegangen.

Die Anwälte des Software-Riesen forderten, die von Bundesrichter Thomas Penfield Jackson angeordnete Zerschlagung des Unternehmens aufzuheben und begründeten dies unter anderem mit der Befangenheit des Richters. So habe er in Interviews seine Abneigung gegen Microsoft-Gründer Bill Gates deutlich gemacht.

Die sieben Berufungsrichter übten in diesem Zusammenhang ebenfalls Kritik an Jackson. Ein Richter nannte die Äußerungen Jacksons "beunruhigend". Außerdem zweifelten mehrere Richter seine Beurteilung des Markts für Internet-Browser an. Es könne nicht festgestellt werden, ob Microsoft seine Monopolstellung missbraucht habe.

Die Microsoft-Anwälte warfen Richter Jackson vor, er habe nicht nach Faktenlage, sondern nach Vorurteilen geurteilt. Der Richter hatte Microsoft-Gründer Bill Gates in Interviews mit Napoleon verglichen und Microsoft mit einer "mörderischen Straßenbande" verglichen. Jackson sei "von einem illegitimen Wunsch" geleitet worden, Microsoft zu "bestrafen", so Microsoft-Anwalt Steven Holley.

Die Anwälte des weltgrößten Software-Herstellers und Vertreter der US-Regierung und zahlreicher Bundesstaaten hatten am Dienstag insgesamt sieben Stunden Zeit, ihre Argumente vorzutragen. Am ersten Tag der mündlichen Verhandlung hatten sie sich bereits einen heftigen Schlagabtausch geliefert und auf detaillierte Fragen der sieben Richter geantwortet.

Der US-Bundesanwalt David Frederick argumentierte, Microsoft habe seinen Konkurrenten Netscape daran gehindert, seinen Browser in eine vollständige Software-Plattform weiter zu entwickeln. Microsoft habe eine Konkurrenz zu seinem Betriebssystem Windows gefürchtet. Durch die Verknüpfung seines Browsers Explorer mit Windows habe Microsoft den Wettbewerb auf dem Markt verhindert, sagte Frederick.

Der neue Richterspruch wird nicht vor Anfang Juni erwartet. (PC-WELT, 28.02.2001, dpa/ ml)

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