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Messe-Experten kritisieren Veranstalter wegen ITnT-Flop

18.09.2009 | 15:15 Uhr |

"Das Management der Messe Wien hat sich das Scheitern der österreichischen IT-Fachmesse ITnT selbst zuzuschreiben. Schließlich hat man nicht das erste Mal versäumt, die geographisch vorteilhafte Lage zu nutzen und auch internationale Player wie zum Beispiel innovative Start-ups aus Osteuropa anzuziehen."

Zu diesem Schluss kommt Messeexperte Martin Reiter-Bauer vom Wiener messe- und ausstellungs-center Service (mac ). Der österreichische mac-Niederlassungsleiter kritisiert angesichts des Scheiterns der ITnT vor allem, dass Wien stets als Kongress- und weniger als Messestadt öffentlich wahrgenommen wird. Insofern seien die Bestrebungen des Veranstalters Reed Expo nur konsequent, zum inhaltlichen "Convention-Charakter" überzugehen.

Das Aus für die bislang größte österreichische Fachmesse für Informationstechnologie sowie Telekommunikation knüpft an eine Reihe von Flops in der Vergangenheit an. Bereits im Jahr 2001, das die Blase von an der Börse gehandelten New-Economy-Unternehmen platzen ließ, hatte Reed die bis dahin führende IT-Messe Österreichs, die ifabo, übernommen. Wegen des kontinuierlichen Interessen- und Besucherschwunds versuchte man 2003 mit einem komplett neuen Messekonzept namens "enter" und 2005 letztlich mit der ITnT Fuss zu fassen - jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. "Die Gründe sind symptomatisch. Alles nur auf die aktuelle Krise zu schieben, reicht aber nicht aus. Vielmehr ist das Konzept falsch und die Konkurrenz durch Hausmessen groß. Es muss sich mehr lohnen, nach Wien zu kommen", erklärt Reiter-Bauer.

"Obwohl die öffentliche Diskussion über das Ende der ITnT sehr früh losgetreten wurde, ist einzugestehen, dass das Messekonzept nicht so zukunftsweisend war, wie wir es wollten. In analoger Sicht zur deutschen Entwicklung hat sich herausgestellt, dass Exponat-Branchen-Ausstellungen wie die bisherige ITnT nicht mehr zeitgemäß sind", sagt Reed-Sprecher Paul Hammerl gegenüber pressetext. Gespräche mit wichtigen Marktplayern hätten gezeigt, dass Unternehmens- und Produktpräsentationen in Form von Ständen das Nachsehen haben. Man wolle sich mit dem Nachfolge-Event, das aller Voraussicht nach erst im April 2010 in Wien stattfindet, auf Inhalts- und Themenformate konzentrieren. Eine Konzeptvorstellung soll es bereits im Oktober dieses Jahres geben. Der Name des ITnT-Nachfolgers wird Medienberichten nach mit "CrossCon" gehandelt.

Dass das Konzept geändert werden muss, stand bereits Anfang des Jahres fest. Unternehmen wie Siemens oder Microsoft blieben der ITnT fern. Auch stellten Telekommunikationsriesen wie Orange oder die mobilkom austria ihre Teilnahme infrage. Den Vorwurf, man habe bei der Integration von CEE-IT-Unternehmen versagt, lässt Hammerl hingegen nicht gelten. "CEE war ein stets ein fester Bestandteil der Messe, aber nie der Kern. Vielmehr wollten wir eine heimische Plattform mit Ansprechmöglichkeiten über das gesamte Jahr etablieren", sagt der Reed-Sprecher auf Nachfrage von pressetext. CEE wäre nur ein "Sahnehäubchen" gewesen. Ob sich der Besucherschwund mit dem neuen inhaltlichen Konzept stoppen lässt, bleibt für Experten aber mehr als fraglich. (pte)

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