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Mercedes stellt neue S-Klasse vor

16.05.2013 | 09:28 Uhr |

Beheizbare Armlehnen, Parfüm-Bestäubung, Bodenwellen-Erkennung, Executive-Sitz, Hot-Stone-Massagesitze, zwei TFT-Bildschirme, 500 LEDs, 360-Grad-Rundumblick, Fußgängerkennung, automatische Vollbremsung, Lenk-Assistent und Stop&Go-Pilot – die neue S-Klasse ist da.

Ein neuer Stern am Auto-Himmel – so möchte man bei der Präsentation einer neuen S-Klasse fast kalauern. Doch für Scherze ist die Situation von Daimler zu ernst, widmen wir uns also den Fakten.
 
Vorreiterrolle

Die S-Klasse war immer schon Technologieträger für Mercedes-Benz und für die gesamte Auto-Industrie. Neue Technologien, die Mercedes-Ingenieure erstmals in einer neuen S-Klasse verbaut haben, hielten nach und nach auch Einzug in den unteren Fahrzeugklassen. Wenn das auch diesmal so ist, dann dürften sich auch Golf-Fahrer bald auf beheizbare Armlehnen und Parfüm-Bestäubung freuen…

Der "Schwabenstahl" ist vollgestopft mit Sicherheitsassistenten. Und besteht zu einem großen Teil aus Aluminium...
Vergrößern Der "Schwabenstahl" ist vollgestopft mit Sicherheitsassistenten. Und besteht zu einem großen Teil aus Aluminium...
© Daimler

 
Abmessungen

Für die Standardversion der S-Klasse nennt Mercedes diese Zahlen: Länge/Breite/Höhe: 5.116/1.899/1.483 mm, Radstand: 3.035 mm. Für die Langversion (die wegen des asiatischen Marktes als besonders wichtig gilt) gelten: Länge/Breite/Höhe Lange Version: 5.246/1.899/1.483 mm, Radstand: 3.165 mm.

Die Aluminium-Hybrid-Karosserie soll gegenüber dem Vorgänger um 50 Prozent steifer geworden sein. Die Sicherheits-Fahrgastzelle besteht zu großen Teilen aus „höchstfesten Stählen“.
 
Die Bodengruppe basiert auf der bisherigen S-Klasse. Damit konnte Daimler eine komplette Neuzulassung durch das Kraftfahrzeugbundesamt vermeiden und darf das alte Kältemittel R134a weiter verwenden und muss nicht das von der EU vorgeschriebene neue Kältemittel für die Klimaanlage verwenden. Mercedes lehnt letzteres nämlich ab, weil es dieses für im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich im Falle eines Unfalles hält. Der Automobilhersteller befindet sich deswegen schon länger auf Konfrontationskurs mit der EU.

Die Gestaltung der Fondsitze war Daimler besonders wichtig.
Vergrößern Die Gestaltung der Fondsitze war Daimler besonders wichtig.
© Daimler

Komfort

Die S-Klasse erkennt Bodenwellen im Voraus: Der Road Surface Scan erfasst Unebenheiten mit Hilfe einer Stereokamera, danach passt Magic Body Control das Fahrwerk an.

Selbstverständlich verbaut Mercedes Massagesitze in der neuen S-Klasse. Der Rücken der Insassen wird dabei nach dem „Hot-Stone-Prinzip“ durchgeknetet. Dazu gibt es aktive Sitzbelüftung. Das Lenkrad ist beheizt, vor allem aber werden erstmals auch beheizbare Armauflagen und beheizbare Türverkleidungen angeboten. Offensichtlich vermutet Mercedes viele potenzielle Käufer der neuen S-Klasse in Moskau…

Weil die S-Klasse meist als Chauffeurwagen verwendet wird, schenkten die Ingenieure dem Rücksitz (dem „Executive-Sitz“) besondere Beachtung. Er wurde nicht nur geräumiger, sondern insgesamt angenehmer gestaltet und lässt sich bequem zurückklappen - mit bis zu 43,5 Grad Lehnenneigung. Für ein Nickerchen während der Reise.

Ein Parfümspender im Handschuhfachkasten sorgt für „aktive Beduftung“ mit verschiedenen Duftnoten, die nicht an der Kleidung der Insassen haften bleiben soll. Und die zudem Asthmatiker-verträglich sein sollen. Und ein High-End-3-D-Surround-Soundsystem ist selbstverständlich ebenfalls eingebaut.

Die komplette Beleuchtung der neuen S-Klasse beruht auf LEDs, es gibt keine Glühbirnen mehr in dem Wagen. Fast 500 LEDs übernehmen die Beleuchtung von Straße, Fahrzeug, Innen- und Kofferraum. In einem Scheinwerfer sind jeweils bis zu 56 LEDs verbaut, die Rückleuchte umfasst je 35 LEDs (plus 4 für die Nebelschlussleuchte) und im Innenraum (inklusive Ambientebeleuchtung) werkeln ca. 300 LEDs. Regelbare LED-Lichtbänder sollen für stimmungsvolles Ambiente je nach Laune des Besitzers sorgen.

Der Fahrer blickt auf zwei TFT-Bildschirme.
Vergrößern Der Fahrer blickt auf zwei TFT-Bildschirme.
© Daimler

Der Fahrer wiederum blickt auf zwei TFT-Bildschirme (jeweils 30,7 cm/12,3 Bildschirmdiagonale ). Der linke Bildschirm übernimmt die Funktion des bisherigen Kombiinstruments und bietet alle für den Fahrer relevanten Informationen. Der rechte Bildschirm dient zur Steuerung von Infotainment und Komfortfunktionen. Gesteuert wird die ganze Technik per Sprache oder über den Dreh-Drück-Steller oder die Telefontastatur. Touchscreens gibt es dagegen keine im Wagen!

Sicherheits-Technik

Das spannendste an einer neuen S-Klasse ist aber immer schon die Sicherheits-Technik. So gibt es einen 360-Grad-Rundumblick Dank einer neuen Stereokamera und mehrstufigen Radarsensoren. Assistenten warnen den Fahrer und greifen mitunter korrigierend ein. Mercedes-Benz nennt dies „Intelligent Drive“.
 
Zu besserer Sicht tragen zwei verbesserte Assistenzsysteme bei: Der Adaptive Fernlicht Assistent Plus und der Nachtsicht Assistent Plus. Der Adaptive Fernlicht Assistent Plus ermöglicht blendfreies  Dauerfernlicht durch Ausblenden  anderer Fahrzeuge im  Fernlichtkegel.
 
Der Nachtsicht Assistent Plus wurde weiterentwickelt und um eine Wärmebildkamera ergänzt. Er kann bei Gefahr durch Fußgänger oder Tiere in unbeleuchteter Umgebung vor dem Fahrzeug warnen. Erkannte Fußgänger können darüber hinaus mit einer Spotlight.Funktion angeblinkt werden. Der Attention Assist wiederum informiert den Fahrer, wenn dieser müde und deshalb unaufmerksam wird.
 
Mercedes hat die PRE SAFE-Funktionen weiter ausgebaut. Sie erkennen Fußgänger und sollen Auffahrunfälle im Stadtverkehr vermeiden helfen sowie Gefahrensituationen durch  Folgeverkehr entschärfen.
 
PRE SAFE Bremse kann Fußgänger erkennen und bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h die Kollision durch eine autonome Bremsung vermeiden. Es kann auch eine drohende Heckkollision erkennen und den Folgeverkehr durch Aktivierung der hinteren Warnblinklichter in hoher Frequenz warnen. Bei anhaltender Kollisionsgefahr kann  das System das stehende Fahrzeug vor einer Heckkollision festbremsen und damit das Risiko eines Schleudertraumas durch  Reduzierung des aufprallbedingten Vorwärtsrucks minimieren. Unmittelbar vor dem Aufprall werden die PRE SAFE Insassenschutzmaßnahmen, insbesondere die reversiblen Gurtstraffer, ausgelöst.
 
Bei PRE SAFE Impuls bewegt der Sicherheitsgurt Fahrer und  Beifahrer in einer frühen Crashphase noch vor dem Anstieg der aufprallbedingten Insassenverzögerung entgegen  der Aufprallrichtung. Dadurch sollen das  Verletzungsrisiko und die Verletzungsschwere bei Frontalcrashs reduziert werden.
 
Der Beltbag ist ein aufblasbares Gurtband, das das Verletzungsrisiko von Fondpassagieren beim Frontalaufprall reduzieren kann, indem es die Belastung auf den Brustkorb verringert. Der Liegesitz ist serienmäßig mit einem Cushionbag unter dem Polster der Sitzfläche ausgerüstet. Er verhindert in Liegeposition des Sitzes, dass der Passagier bei einem Unfall  unter dem Gurt durchrutscht.  
 
DISTRONIC PLUS mit Lenk-Assistent und Stop&Go Pilot entlastet den Fahrer bei der Spurführung und beherrscht  teilautonomes Staufolgefahren. Der Aktive Spurhalte Assistent kann Gegenverkehr und eine belegte Nachbarspur erkennen und durch einseitige Bremsung die Gefahr mindern, dass die Spur unbeabsichtigt verlassen wird.
 
Motoren
 
Vier Motorisierungen stehen anfangs zur Wahl: Mit S 400 HYBRID, S 500, S 350 BlueTEC und S 300 BlueTEC HYBRID gibt es im ersten Jahr der neuen S-Klasse zwei Hybride und ein Benziner sowie einen Diesel. Sämtliche Motoren erfüllen die Euro 6-Abgasnorm.
 
Der S 300 BlueTEC HYBRID verbraucht nach der theoretischen EU-Norm 4,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Demnächst folgt mit dem S 500 Plug-In HYBRID die erste S-Klasse, bei der bezüglich des Verbrauchs eine Drei vor dem Komma steht (in der Praxis genehmigt sich der 2-Tonnen-PKW natürlich deutlich mehr).
 
Preise

Die Preise in Deutschland (inkl. 19 % MwSt.) für die neue S-Klasse beginnen bei 79.789,50 Euro für den S 350 BlueTEC mit kurzem Radstand.

Die S-Klasse ist das wichtigste Modell von Mercedes. Sie ist nach wie vor die meistgekaufte Luxus-Limousine vor BMW 7er und Audi A8 (und VW Phaeton). Die Gewinnmarge gilt als besonders hoch, die S-Klasse spült also trotz vergleichsweise niedriger Verkaufszahlen viel Geld in die Kassen von Daimler. Vor allem aber steht und fällt das Unternehmens-Prestige mit der S-Klasse. Das hat Mercedes nach dem Citan-Debakel dringender denn je nötig. Denn die "Verfolger" BMW und Audi sind nicht nur längst auf Augenhöhe angekommen, sondern haben Mercedes beim wirtschaftlichen Erfolg bereits überholt.

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