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Mein Freund der Roboter

27.11.2000 | 11:47 Uhr |

Eine neue Generation von Robotern ist in Japan entwickelt worden. Die fernöstliche Hightech-Nation will damit den Schritt vom ungelenken Industrieroboter zum mechanisch-elektronischen Freund des Menschen vollziehen. Der 120 Zentimeter große humanoide Roboter Asimo des Autokonzerns Honda beispielsweise bewegt sich fast so elegant wie sein menschliches Vorbild aus Haut und Knochen.

Asimo tanzt mit wiegender Metallhüfte zu Rumbaklängen, während sein Roboterkollege SDR-3X beim Fußballspielen pathetisch auf die Knie geht und seine Arme zum Triumph nach oben reckt. Keine Szene aus einem Science-Fiction-Film, sondern erste Schritte im Leben einer neuen Generation japanischer Roboter. In den Entwicklungslabors der fernöstlichen Hightech-Nation vollzieht sich derzeit eine atemberaubende Entwicklung vom Industrie-Roboter hin zu mechanisch-elektronischen Lebensgefährten des Menschen.

Die Metallwesen sollen künftig nicht mehr nur wie ihre Vorgänger in Fabriken als Arbeitssklaven dienen, sondern dem Menschen im Alltag als Partner fürsorglich und tröstend zur Seite stehen, ob beim Aufräumen im Haushalt oder bei der Betreuung alter Menschen. Der Elektronikriese Matsushita will im Dezember kommenden Jahres in der Provinz Osaka bereits ein Hightech-Pflegeheim eröffnen, in dem jedes der 103 Zimmer mit sprechenden Roboterhaustieren und Internetanschluss ausgestattet werden soll.

"Die Roboterindustrie wird größer werden als die der Personal Computer", frohlockt Toshitada Doi, Vizepräsident des Elektronikriesen Sony. Er ist geistiger Vater des berühmten Roboterhündchens Aibo, von dem Sony seit vergangenem Jahr 45 000 Stück für je über 5 000 Mark verkauft hat. Seit kurzem gibt es in Japan die zweite Generation von Aibo zu bestellen, die als Verschnitt zwischen Katze und Hund daher kommt und auch Gefühle simuliert.

"Die Metallwesen geben den Menschen Seelenfrieden und können ihre Sorgen lindern", sagt Sony-Manager Doi. Japans Hightech-Konzerne prophezeien Unterhaltungsrobotern denn auch eine goldene kommerzielle Zukunft. Bei Industrie-Robotern ist Japan bereits weltweit führend. Nun geht die Hightech-Nation einen Schritt weiter und entwickelt sehende, sprechende und fühlende Roboter für den kommerziellen Markt.

Auf der weltweit ersten großen Messe für Unterhaltungsroboter in Yokohama stellte Sony-Direktor Doi kürzlich seinen Prototyp SDR-3X vor. Der 50 Zentimeter große Sony Dream Robot kann mit 24 Gelenken tanzen, Fußballspielen und über eine neue Stimmenerkennungstechnik auf 20 Worte reagieren und antworten. Der 120 Zentimeter große humanoide Roboter Asimo des Autokonzerns Honda bewegt sich fast so elegant wie sein menschliches Vorbild aus Haut und Knochen.

Zwar werden auch in Europa Roboter entwickelt, zum Beispiel für Expeditionen im All. Aber "es sind nur die Japaner, die so eifrig Humanoide und Haustierroboter wollen", stellt Professor Yoshiaki Shirai, Präsident der Gesellschaft für Künstliche Intelligenz, fest. Während in Europa Roboter in Büchern und Filmen oft am Ende zur Bedrohung für die Menschen wurden, haben Roboter im Animations- und Comicland Japan genau das gegenteilige Image, wie die japanische Fachzeitschrift "Toyo Keizai" schreibt. Das sei vermutlich ein Grund dafür, warum die Japaner so eifrig in der Roboterentwicklung seien.

Zugleich verspricht dies den Japanern kommerziellen Erfolg. NEC stellte kürzlich sein Robo-Ei R100 vor, das durchs Haus rollt, auf Zuruf menschliche Gesichter erkennt und die jeweilige Person beim Namen fragt, was es denn für sie tun könne. Der kleine Roboter soll auch auf Zuruf Fernbedienungen betätigen und Familienangehörigen ankommende Mails laut vorlesen können. Die Spielzeugfirma Takara entwickelte Roboterfische und -quallen, die sich in Zukunft um den "Seelenfrieden von Stadtbewohnern im 21. Jahrhundert" kümmern.

Zunächst sollen die bisher nur als Prototypen vorgestellten Service-Roboter die Bevölkerung an die Vorstellung gewöhnen, mit ihnen künftig zusammenzuleben. Bis aber menschenähnliche Roboter wie Hondas Humanoide so weit sind, dass sie im Haushalt oder am Arbeitsplatz tatsächlich unter Menschen leben können, müssen die Blechwesen nach Ansicht von Experten noch "feinfühliger" werden. Noch sei es zu gefährlich, dass solche schweren Ungetüme zum Beispiel Pflegebedürftige baden oder einfach nur im Haus herumlaufen. (PC-WELT, 27.11.2000, dpa/ lmd)

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