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Funk-Pille meldet ihre Einnahme

04.04.2010 | 16:02 Uhr |

Forscher an der University of Florida (UF) haben eine Pille entwickelt, die per Funksignal melden kann, dass sie eingenommen wurde. "Das bietet die Möglichkeit zu überwachen, ob ein Patient seine Medikamente zeitgerecht einnimmt", erklärt Rizwan Bashirullah, Assitenzprofessor für Elektro- und Computetechnik an der UF.

Mit diesem Ansatz könnte bei Dauermedikamentation für eine bessere Therapietreue gesorgt werden. "Wir sehen solche Entwicklungen sehr positiv. Die Medikamenten-Compliance bei chronischen Erkankungen ist oft sehr schlecht", meint Klaus Meyer-Lutterloh, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für bürgerorientierte Versorgung ( DGbG ), im Gespräch mit pressetext. Er verweist darauf, dass mangelnde Therapietreue Schätzungen zufolge allein in Deutschland Folgekosten von zehn bis 20 Mrd. Euro verursacht. Die UF-Pille ist mit einer verdaubaren Funkantenne und einem winzigen Mikrochip ausgestattet. Wenn ein Patient sie einnimmt, wird ein Signal an ein Überwachungsgerät gesendet, das in Zukunft beispielsweise in Handys verbaut werden könnte. Dieses Gerät schickt dann eine Benachrichtigung an das Handy oder den Laptop des behandelnden Arztes, der somit sieht, ob der Patient das Medikament planmäßig eingenommen hat.

Aktuell existiert die UF-Funkpille als Prototyp, dessen Verträglichkeit in künstlichen Verdauungstrakten getestet wurde. Untersuchungen an realen Patienten stehen noch aus. Nach Angaben der UF wollen die Forscher mit ihrer Pille zunächst klinische Medikamentenstudien erleichtern. Denn wenn Teilnehmer hier die Einnahmepläne nicht einhalten, kann das die Studienergebnisse wertlos machen. Daher erfolgt die Einnahme oft im Beisein der Ärzte, was Studien entsprechend teuer macht.

Jedenfalls gelten Funk-Pillen als vielversprechender Ansatz, um auch die Therapietreue bei Patienten zu verbessern. Meyer-Lutterloh verweist darauf, dass auch das Pharmaunternehmen Novartis schon ein vergleichbares System testet. Dabei wird von der Pille ein Signal an einen Empfänger an der Schulter gesandt und der Patient selbst benachrichtigt, wenn er auf die Medikamenteneinnahme vergisst.

Hintergrund sind nicht zuletzt die Risiken und Kosten mangelnder Therapietreue. Denn dadurch kann es zu gesundheitlichen Verschlechterungen oder Folgeerkrankungen kommen. Die American Heart Association schätzt, dass in den USA ein Zehntel der stationären Spitalsaufnahmen mit mangelnder Medikamenten-Compliance zusammenhängen. Das hat auch große finanzielle Auswirkungen. Einer DGbG-Einschätzung von April 2009 zufolge werden europäische Gesundheitssystem jährlich mit vermeidbaren Folgekosten von 200 bis 300 Mrd. Euro belastet.

(pte)

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