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Videotheken im Abwärtsstrudel

16.01.2010 | 13:39 Uhr |

Der weltweite Abwärtstrend im Videothekenmarkt geht ungebremst weiter. Laut Medienberichten überlegt die zweitgrößte nationale US-Videothekenkette Movie Gallery rund 1.000 seiner 2.700 Filialen zu schließen und damit den angehäuften Schuldenberg von 600 Mio. Dollar abzubauen.

Erst im September 2009 hatte der US-Marktführer Blockbuster angekündigt, in den kommenden zwei Jahren bis zu 3.750 Videotheken schließen zu müssen. "Die USA stellen sicherlich eine Sonderentwicklung dar, da das Aufstellen von zehntausenden Videoautomaten zu einer Verschiebung im Markt geführt hat", erklärt Jörg Weinrich, Vorstand beim Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland ( IVD ), im Gespräch mit pressetext. "In Deutschland haben die Automaten durch das langjährige Verbot bis 2003 und die weiter bestehenden Auflagen hinsichtlich nicht jugendfreier Filme bisher keinen vergleichbaren Erfolgsboom verzeichnet. Die Auswirkungen auf den Videothekenmarkt sind daher gering."

Weitaus schwerwiegender gestaltet sich allerdings der allgemeine Trend zu Raubkopien und illegalen Downloads. "Ich denke, dass wir auch in Deutschland bereits einen Viertel der Kunden dadurch verloren haben", meint Weinrich, der insgesamt aber immer noch von einem relativ stabilen Geschäft in den vergangenen Jahren spricht. Mit dem entsprechenden Kundenservice und einem guten Einzugsgebiet von zumindest 20.000 Einwohnern könne man auch als kleiner Anbieter heute noch punkten.

Neben den USA kämpfen die Videotheken aber auch in Großbritannien und Frankreich ums Überleben. Während Frankreich nie eine sonderlich gute Videotheken-Struktur vorweisen konnte, sind die Umsatzeinbrüche in Großbritannien nach einigen guten Jahren nun eklatant. Dort und in den USA kommen die Videothekenbetreiber zusätzlich durch Video-on-demand-Services und Online-Streaming von Anbietern wie Netflix, Apple, Amazon und anderen in Bedrängnis.

Blockbuster versucht deshalb über die Online-Anbindung von aktuellen Fernsehgeräten und Blu-ray- bzw. DVD-Player sein Vertriebsmodell zu modernisieren. So wurde etwa mit Samsung eine Kooperation vereinbart, die es Kunden ermöglicht, direkt über die Online-Plattform am TV Blockbuster-Videos auszuleihen. Die durch aufgeblähte Filialnetze verursachten Verluste können die neuen Online-Angebote allerdings noch nicht ausgleichen. Für Anbieter wie Movie Gallery dürfte es daher schwer werden, die eigene Zukunft zu sichern.

In Deutschland ist das im Vorjahr noch über 3.500 Filialen umspannende Netz vor allem mittelständisch geprägt, wenngleich die einzelnen Betreiber oftmals unter einem überregionalen Markennamen operieren. Ungeachtet der sinkenden Filialszahlen hofft man, einen Großteil der acht bis neun Mio. Kunden auch längerfristig halten zu können. "Viele Leute gehen immer noch gerne in die Videothek, weil Filme dort noch vor der Free-TV-Premiere legal erworben werden können - und das zu einem sehr moderaten Preis", sagt Weinrich gegenüber pressetext.

(pte)

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