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Mobile lässt Internet stehen

21.08.2010 | 16:02 Uhr |

Das rasante Wachstum des Medienmarktes vollzieht sich in Zukunft hauptsächlich auf einem Weg: mobil. Der Mobile-Media-Bereich wird sogar die weltweiten Wachstumsraten des Internets hinter sich lassen, wie die Marktforscher von Nielsen Wire und der Cambridge Group zeigen.

Besonders die Schwellenländer treiben dabei die Nachfrage nach Kommunikation via Handys und Smartphones. Mobile Medien werden das Web überholen und in den kommenden Jahren schneller wachsen als alle anderen traditionellen Medienplattformen, so die Vorhersage. Zwar bleibt auch das klassische Internet weiterhin im Aufwärtstrend, prognostizieren die Experten - allerdings auf einem vergleichsweise langsameren Level. Bis 2015 flacht die Nachfrage nach Informationen aus dem Web ab, während der Mobile-Media-Bereich Fahrt aufnimmt. Gerade in den BRIC-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China verzeichnet das mobile Segment dann Wachstumsraten um sieben Prozent. So entwickeln sich die Emerging Markets etwa richtiggehend zur App-Goldgrube. In den gesättigten Märkten der Industriestaaten legt der Mobilbereich immerhin noch um zwei Prozent zu.

Der Grund für die bevorstehende Neuordnung der Verhältnisse auf dem Medienmarkt liegt den Marktforschern zufolge in der Wirtschaftskraft der Verbraucher in jenen Ländern. So sind mobile Geräte und Dienste schon bei vergleichsweise niedrigen Haushaltseinkommen leistbar. Eine Internetpenetration von 50 Prozent in bestimmten Regionen erfordert etwa ein Pro-Kopf-BIP von rund 20.000 Dollar. In vielen Ländern übersteigt die mobile Marktpenetration die 50-Prozent-Marke hingegen schon ab einem BIP von nur 5.000 Dollar deutlich.

Innerhalb von fünf bis zehn Jahren werden laut Prognose selbst in sehr armen Ländern auf 100 Einwohner rund 140 Mobiltelefone kommen. Mit den verfügbaren Einkommen steigt das Verhältnis noch weiter. Dahingehend wird sich die Kluft zwischen reichen und armen Staaten weitgehend schließen, meinen die Experten. Die mobile Kommunikation wird in den Schwellenländern zudem ihrerseits zu weiterem wirtschaftlichem Wachstum beitragen. Die Medienindustrie und ihre Plattformen stehen aber vor einer umfassenden Neustrukturierung.

(pte)

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