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McAfee-Hersteller trudelt

28.12.2000 | 15:00 Uhr |

Für den McAfee-Hersteller Network Associates (NAI) war nach Weihnachten ein schwarzer Börsentag. Die Firma, die auch die PGP-Verschlüsselungs- und weitere Sicherheitssoftware anbietet, wird im laufenden Quartal einen Verlust von über 130 Millionen Dollar machen. Der Börsenkurs sackte angesichts der verheerenden Zahlen um über 60 Prozent ab. Der deutsche Geschäftsführer von NAI bilanzierte in einem Gespräch mit der PC-WELT: "Wir haben uns schwer getan, die Unternehmensvision in den Markt zu tragen".

Für den McAfee-Hersteller Network Associates (NAI) war nach Weihnachten ein schwarzer Börsentag. Die Firma, die auch die PGP-Verschlüsselungs- und weitere Sicherheitssoftware anbietet, wird im laufenden Quartal einen Verlust von über 130 Millionen Dollar machen. Der Börsenkurs sackte angesichts der verheerenden Zahlen um über 60 Prozent ab.

Als Grund für diese dramatische Entwicklung wurde die schlechte Lage auf dem PC-Markt angegeben und die schlechten Konjunkturaussichten. Schuld sei auch die Einführung einer neuen Bilanzierungsmethode in diesem Quartal - danach werden Produkte erst dann als Umsatz verbucht, wenn der Händler die Ware tatsächlich verkauft hat. Ohne die neue Bilanzierungsmethode hätten die Umsätze immer noch bis zu 60 Millionen unter den Erwartungen gelegen.

Der Kursverlauf der Aktie von NAI erlebte nach dieser Ankündigung eine rasante Talfahrt. Ihr Wert sank von umgerechnet knapp 17 Mark auf nur noch 7 Mark. Das Finanzdebakel führte dazu, dass die Vorstandsetage zurücktrat. Chef Willam Larson, Präsident Peter Watkins und Finanzvorstand Prabhat Goval treten zurück. Watkins verlässt das Unternehmen zum 31. Dezember, die anderen Vorständler erst dann, wenn die Nachfolger feststehen.

Ihren Hut nehmen die drei Herren vor allem deshalb, weil im Oktober noch Einnahmen prognostiziert wurden, die jetzt um mehr als 25 Prozent verfehlt wurden.

Der deutsche Geschäftsführer von NAI Gregory Blepp machte in einem Gespräch mit der PC-WELT auch den hohen Dollar-Kurs für die Misere verantwortlich: Um den gleichen Umsatz nach USA melden zu können, hätte man 30 Prozent mehr Ware verkaufen müssen als im Vorjahr. Dass NAI wie schon vor knapp zwei Jahren in einem Quartal übermäßig Produkte ausgeliefert habe, die dann im Regal stehen blieben und die Zahlen des Folgequartals belasteten, wollte Blepp nicht gelten lassen, räumte jedoch ein, dass "die Investitionsfreudigkeit in allen Ländern nicht so gut war".

Auch vom Scheitern der Firmenstrategie, durch Zukäufe alle Sicherheitslösungen aus einer Hand anzubieten, wollte der NAI-Geschäftsführer nicht reden, bilanzierte jedoch: "Wir haben uns schwer getan, die Unternehmensvision in den Markt zu tragen". Es gebe allerdings "definitiv keine Pläne", die Anzahl von 110 derzeit in Deutschland tätigen Mitarbeitern zu reduzieren. Blepp wollte aber auf Anfrage die Abwanderung vor allem von Vertriebsleuten nicht ausschließen, auf die der "Druck im vierten Quartal sehr hoch gewesen" sei.

Umstrukturierungspläne nach amerikanischem Vorbild gebe es bereits etwa drei Wochen. Dabei sollen die einzelnen Produktlinien wieder stärker in den Vordergrund rücken, da der Kunde nicht bereit sei, "eine globale Entscheidung zu treffen". (PC-WELT, 28.12.2000, pk/ kk)

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