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Maulwürfe in der Bank: Bankangestellte werden von Kriminellen angeworben

24.07.2007 | 16:45 Uhr |

Eine Umfrage bei amerikanischen und britischen Banken hat ergeben, dass einige von deren Mitarbeitern auch in den Diensten der organisierten Kriminalität stehen und Kundendaten an Kriminelle weitergeben.

In Hollywood-Filmen sind "Maulwürfe" meist Polizisten oder Spione, die als Doppelagenten für die Gegenseite arbeiten und dieser vertrauliche Informationen zukommen lassen. Die am 23. Juli veröffentlichten Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des Sicherheitsunternehmens Actimize unter 40 Finanzdienstleistern in den USA und Großbritannien offenbart, dass es solche Maulwürfe auch in Banken gibt und dass es sich dabei keineswegs um wenige Einzelfälle handeln kann.

Actimize aus New York entwickelt Software zum Schutz vor Finanzbetrug und hat bei seiner Umfrage erstaunlich offene Antworten erhalten. Demnach werden die selben Personen, die bei Banken und Finanzdienstleistern für die Verarbeitung und den Schutz von Kundendaten zuständig sind, auch von der organisierten Kriminalität angeworben und ausgebildet. Die Antworten stammen etwa zur Hälfte von normalen Banken, mehr als 50 Prozent der Unternehmen, die geantwortet haben, weisen ein Bilanzsumme von 30 Milliarden US-Dollar oder mehr auf.

Von den Teilnehmern der Umfrage haben 85 Prozent angegeben, sie hätten in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Fall von Betrug durch eigene Mitarbeiter gehabt. Dabei sehen 65 Prozent eine Zunahme solcher Fälle und 75 Prozent sind der Ansicht, die Täter würden immer raffinierter vorgehen. Mehr als 50 Prozent der Befragten geht davon aus, dass nicht einmal die Hälfte derartiger Fälle überhaupt bemerkt wird.

Zu den kriminellen Handlungen der Angestellten zählen neben Datendiebstahl für Dritte auch Untreue, Selbstbereicherung oder rechtswidrige Absprachen mit Wettbewerbern. Die durchschnittliche Schadenssumme der jeweils schwersten Fälle in den letzten fünf Jahren beträgt umgerechnet etwa 633.000 Euro. Der schlimmste Betrugsfall durch einen Mitarbeiter hat einen Schaden von umgerechnet 4,3 Millionen Euro verursacht.

Als Hauptursachen für die zunehmenden Betrugsfälle durch Mitarbeiter sehen die meisten der Befragten die organisierte Kriminalität, bessere Zugriffsmöglichkeiten der Angestellten auf Datenverarbeitungsanlagen und schlechtes Personalmanagement. Gesetzliche Regelungen zum Datenschutz sowie verpflichtende Branchenstandards bei der IT-Sicherheit werden von vielen als eher hinderlich bei der Überwachung der Angestellten und der Erkennung interner Betrugsfälle angesehen.

Vergleichbare Zahlen von deutschen Finanzinstituten sind nicht bekannt. Es ist jedoch angesichts der Umfrageergebnisse bei amerikanischen und britischen Unternehmen kaum anzunehmen, dass es solche Fälle hierzulande nicht gibt. Naturgemäß spricht man jedoch nicht gerne darüber.

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