03.12.2007, 12:47

Tobias Weidemann

Exklusiv-Interview

Marktstellung: Gestern Altavista, heute Google, morgen...?

PC-WELT: In Sachen Marktstellung haben Sie mit Microsoft in vielen Bereichen schon heute gleichgezogen oder das Unternehmen bereits hinter sich gelassen – gerade bei den immer wichtiger werdenden Web-Services. Befürchten Sie nicht, dass Sie ins Visier der Kartellrechtsbehörden kommen?
Rode: Wir haben ja keinen proprietären Dienst, wir zwingen niemanden Google zu nutzen. Anwender setzen auf Google, weil sie sich aus freien Stücken dafür entscheiden, entweder www.google.de einzutippen – oder eben auch nicht. Die könnten genauso gut Yahoo oder Microsoft oder Ask eintippen. Wir reden bei der Konkurrenz nicht von irgendwelchen Kleinstunternehmen, sondern von Microsoft oder Yahoo.
Der Nutzer hat die Wahl, er sagt „ich entscheide mich für das Produkt, das mir die beste Qualität bietet und die besten Suchergebnisse ausspuckt“. Und glauben Sie mir - auch wenn wir immer mal wieder unser Logo ändern oder noch so bunte Buchstaben haben - das ist es nicht, was die Leute bei Google hält. Wenn einer kommt - und das kann sehr schnell passieren - und eine neue Technologie entwickelt, dann kann das schon wieder ganz anders aussehen. Wer weiß, ob nicht gerade einige schlaue Köpfe im Silicon Valley an einer Suchtechnologie basteln, die besser ist als die Algorithmen, was wir haben.
Das Beispiel Google belegt selbst, dass Menschen sich dann relativ schnell für andere Produkte entscheiden können - Sie wissen, welche Marktstellung beispielsweise Altavista hatte, als wir auf den Markt kamen. Insofern kann man auch nicht von einer Preisfestlegung sprechen - unsere Suche ist kostenlos. Ich glaube daher nicht, dass eine Kartellbehörde viel Grund hätte, hier zu regulieren.
PC-WELT: Nun sind Sie ja beispielsweise bei Firefox auch als Suchmaschine voreingestellt… das ist ja auch schon eine Kooperation, die kartellartig gesehen werden kann.
Das hängt auch immer davon ab, wie schnell man einen Service ändern kann. Anders als bei Mitbewerbern von uns ist es hier sehr einfach, die Sucheinstellungen zu ändern. Versuchen Sie zu verstehen, wie Google denkt: Wir zwingen niemanden zu etwas – das wäre der falsche Ansatz. Man darf seinen Nutzer nicht in geschlossenen Kreisen halten. Derjenige wird gewinnen, der durch Qualität und Service überzeugt.
PC-WELT: Wir danken Ihnen für das Gespräch
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