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Marktforscher raten in puncto Desktop-Linux zu Realismus

23.07.2004 | 09:14 Uhr |

Trotz des Rummels um strategische Entscheidungen für Linux wie etwa bei der Stadt München, werden bei denen im nächsten Jahr zum Austausch anstehenden PCs - 220 Millionen Stück sollen es etwa sein - nur wenige unter dem quelloffenen Betriebssystem laufen.

220 Millionen PCs stehen nach Einschätzung der Marktforscher von Gartner in diesem und im nächsten Jahr zum Austausch an. Davon werden allerdings nur wenige unter Linux laufen, berichtet unsere Schwesterpublikation Computerwoche . "Das wird zwar für die Linux-Anbieter sicherlich immer noch signifikant, wir glauben aber nicht, dass es mehr als fünf Prozent werden", erklärte Gartners Vice President Research Brian Gammage.

Gartner wird einem Bericht von "Computerwire" zufolge in den kommenden Wochen Zahlen veröffentlichen, die belegen, dass in diesem Jahr fünf Prozent aller weltweit verkauften PCs mit Linux ausgeliefert werden (bis 2008 soll der Anteil auf sieben Prozent steigen). Was aber noch lange nicht heiße, dass diese Rechner dann auch tatsächlich mit Linux betrieben würden, so Gartner. Hier liege der Anteil in diesem Jahr nur bei geschätzt zwei Prozent (und für 2008 bei 3,5 Prozent). "Nicht jeder Rechner, der mit einer Linux-Version ausgeliefert wird, läuft auch weiter damit", so Gammage.

Absolut wird aber die Zahl der Linux-PCs deutlich zunehmen. Die Begeisterung über die Abschlüsse im öffentlichen Sektor lenkt aus Sicht von Gammage die Aufmerksamkeit jedoch auf die falschen Bereiche. "Die ganzen politisch motivierten Nachrichten des vergangenen Jahres haben nicht geholfen", so der Experte. "Der ganze Lärm um die Verwaltungsabschlüsse ist in Wirklichkeit kontraproduktiv." Bei solchen Deals gehe es im Allgemeinen um eine große Anzahl an Nutzern mit breiter Anwendungspalette - nicht unbedingt geeignet, um budgetgedeckelten CIOs einen Return on Investment zu belegen.

"Wenn die Nutzermenge begrenzt ist und es um eine bestimmte Anwendung geht, gibt es schneller einen Return on Investment ", so Gammage. "In bestimmten Bereichen und für bestimmte Geräte hat Linux deswegen nachhaltig eine Chance." Die Anbieter im Bereich Desktop-Linux machten zwar einiges Geschäft, agierten aber noch immer in einer Nische. "Wir sehen langsames, organisches Wachstum. Und das ist eine gute Sache, weil es bedeutet, dass dies keine kurzlebige Angelegenheit ist", so der Gartner-Mann.

Gammage verwies ferner darauf, dass Linux gegenüber Windows möglicherweise als unterlegen betrachtet werde, solange es nicht ebenfalls die mit dem kommenden Service Pack 2 (SP2) für Windows XP eingeführte Sicherheitstechnik "NX" (No eXecute) unterstütze. Red Hat beispielsweise hat aber bereits im vergangenen Monat einen entsprechenden Patch bereitgestellt, dem auch Linux-Urheber Linus Torvalds schon offiziell seinen Segen gegeben hat.

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