24.02.2012, 09:35

Benjamin Schischka

Manipulierte Bewertungen

OCZ äußert sich zum Geizhals-Skandal - Update

SSD-Festplatte von OCZ ©OCZ

Im Preisvergleich Geizhals.at sind offenbar Produkt-Bewertungen gefälscht worden. Im Verdacht steht SSD-Hersteller OCZ. PC-WELT hat mit OCZ gesprochen.
Am Abend des 21.02. weist ein Geizhals-User im Forum auf eine plötzliche Abwertung zahlreicher SSD-Festplatten im Preisvergleich hin. Als einziges nicht betroffen sei OCZ, schreibt User „ScheinHeiliger“. Nicht einmal eine halbe Stunde später meldet sich ein Geizhals-Moderator zu Wort: Die Bewertungen gehen anscheinend von der IP-Adresse 64.79.114.83 aus. Diese gehöre zu „ocz83.ocztechnology.com“. Er lösche die Bewertungen und sperre die IP-Adresse. In den folgenden Kommentaren machen die User ihrer Unmut Luft und verurteilen OCZ für die Manipulation. Wir berichteten.
Update: Der Geizhals-Moderator teilt im Forum mit, dass insgesamt 1.840 offensichtlich zugunsten von OCZ manipulierte Bewertungen entfernt worden seien. In 56 Fällen könne man die Manipulation auf OCZ-IP-Adressen zurückführen. 975 mal seien Nicht-OCZ-SSDs sehr schlecht bewertet worden, die übrigen Bewertungen hätten OCZ-Festplatten mit der Bestnote bedacht. Die Bewertungen seien in 21 Sessions vergeben worden, in jeder Session seien sowohl negative (für OCZ-Konkurrenz) als auch positive Bewertungen (für OCZ-SSDs) abgegeben worden.
Wir haben nun mit OCZ über den Vorfall gesprochen. OCZ versicherte uns, dass man keine Bewertungen manipuliert habe und unter Hochdruck nach den Ursachen forsche. An der These, dass OCZ verantwortlich sei, kratzt die stümperhafte Umsetzung. Diese legt eine breite Spur zum SSD-Hersteller. Professionelle Manipulation hätte man über eine fremde IP-Adresse durchgeführt. Dass die User auf OCZ schimpfen ist irgendwo trotzdem nachvollziehbar. Schließlich haben in der Vergangenheit schon mehrere IT-Unternehmen durch Manipulation versucht ihre Produkte in ein besseres Licht zu rücken. Ein Beispiel ist das WePad. Der WeTab-Chef hatte bei Amazon eine gefälschte Kundenrezension online gestellt, um sein Tablet zu stärken. Das Tablet floppte, der Chef musste seine Position als Geschäftsführer erstmal ruhen lassen.
Vor einem Abschluss der Untersuchungen darf man den SSD-Hersteller sicher nicht verurteilen. Im Bereich des Möglichen läge auch ein Hackerangriff. Der Hacker könnte dann mit Absicht die Spur zum Unternehmen gelegt haben. OCZ versprach uns eine möglichst baldige Aufklärung. Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden.

Das Statement von OCZ im Wortlaut:

„Wir danken Geizhals dafür, uns auf dieses Problem aufmerksam gemacht zu haben. OCZ glaubt fest an ehrliche und objektive Nutzerbewertungen, ganz gleich, ob diese positiv oder negativ ausfallen. Geizhals erhält unsere volle Unterstützung für die Aufklärung potenziell "betroffener" Bewertungen. Darüber hinaus hat OCZ umgehend mit der internen Ermittlung begonnen um herauszufinden, ob und wie dies passieren konnte und der Ursache auf den Grund zu gehen. Wir schätzen unsere Kunden sehr und Kundenzufriedenheit ist unsere höchste Priorität.“
Was denken Sie über den Geizhals-Skandal? Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar direkt unter diesem Artikel!
Kommentare zu diesem Artikel (5)
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