08.01.2001, 11:29

Liane Dubowy

Mails aus dem Taxi

Sie sind Thailands mobile Paradiesvögel, klingen wie Trabis und ihre Fahrer zählen zu den kaltschnäuzigsten der Welt: Kaum ein Tourist, der in Bangkoks Dreirad-Taxis oder "Tuk Tuks" neben ein paar Baht nicht auch Angstschweiß gelassen hat. Nun haben die reich verzierten Zweitakter Anschluss an das Zeitalter globaler Datentechnik gefunden.
Sie sind Thailands mobile Paradiesvögel, klingen wie Trabis, und ihre Fahrer zählen zu den kaltschnäuzigsten der Welt: Kaum ein Tourist, der in Bangkoks Dreirad-Taxis oder "Tuk Tuks" neben ein paar Baht nicht auch Angstschweiß gelassen hat. Nun haben die reich verzierten Zweitakter Anschluss an das Zeitalter globaler Datentechnik gefunden.
Eine Bangkoker Internet-Firma schickte ihre ersten "Dot.Com"-Modelle in den halsbrecherischen Verkehr, ausgerüstet mit Laptops und einer Satellitenschüssel. "Als die Leute unsere Tuk-Tuks zum ersten Mal sahen, haben sie schon gelacht", berichtet der Direktor von tuktuktravel.com, Chusak Voraphitak. Dann aber hätten sie fleißig von der Rückbank aus via Satelliten Mails in alle Welt verschickt, erinnert er sich an die ersten Probeläufe. Mit einer Digitalkamera lassen sich zudem in voller Fahrt Fotos schießen und per Knopfdruck absetzen. Bislang gibt es vier der Internet-Tuk Tuks, eine Flotte von neun soll binnen eines Jahres unterwegs sein. Doch angesichts von bereits 6000 der Gefährte in Thailand geizten die Behörden mit Lizenzen, so Chusak.
Neben ihrem Einsatz in Bangkok und anderen Teilen des Königreichs sollen die knallbunten und chromblitzenden Dreiräder auch Thailands Ruf als Urlaubsland in alle Welt tragen, denn im Hauptgeschäft ist tuktuktravel.com virtuelles Schaufenster der Reisebranche. So kam Chusak Voraphitak auch auf die Idee mit den Internet-Tuk Tuks: "Alle Ausländer sitzen während ihres Thailand-Besuchs mindestens einmal in einem Tuk Tuk." Erstmals außerhalb der Landesgrenzen sollen die knatternden High-Tech-Gefährte entsprechend auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin im März vorgestellt werden.
Dabei kommt das mobile Kuriosum aus einem Land, das es Internet- Fans nicht eben leicht macht. Laut Chusak haben gerade einmal ein Prozent der mehr als 60 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Zugang zum weltweiten Datennetz, und davon seien auch noch 70 Prozent Studierende.
So anspruchsvoll wie das elektronische Innenleben der Tuk Tuks ist das Unternehmen bei der Auswahl der Fahrer: Jeder muss einen Universitätsabschluss nachweisen. "Schließlich soll er ja mit einem Computer umgehen und den Passagieren zeigen können, wie man eine Mail verschickt", sagt der tuktuktravel.com-Chef. Und angesichts von Einstiegsgehältern für thailändische Akademiker von um die 400 Mark pro Monat plagen den Geschäftsführer kaum Personalsorgen. (PC-WELT, 08.01.2001, dpa/ lmd)
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