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MS-Linux: Zukunftsmusik oder Hirngespinst?

Das Gerücht, Microsoft entwickle eine Office-Version für Linux, hat die Diskussion über den Einfluss des kostenlosen Betriebssystems auf die bestehenden Marktverhältnisse angeheizt. Wie wird Microsoft langfristig mit dem Erfolg von Linux umgehen?

Nach der Bemerkung von Linuxcare-Manager Arthur Tyde, dass Microsoft eine Office-Version für Linux entwickeln will, wird in Fachkreisen heftig über diese Möglichkeit diskutiert. Microsoft beeilte sich zwar, Tydes These zu dementieren. Linux sei nicht stabil genug für die heutigen Office-Anwendungen, so ein Sprecher des Unternehmens. Ironischerweise wird Linux aber gerade wegen seiner Stabilität und Zuverlässigkeit gepriesen.

Microsoft muss sich von Linux nicht bedroht fühlen. Den Marktforschern von IDC zufolge liegt der Anteil der Linux-Anwender bei Desktop-Betriebssystemen in den USA gerade mal bei 4 Prozent. Aber wenn Linux weiter so beliebt ist, könnte sich das irgendwann ändern. IDC schätzt, dass die Wachstumsrate bei kommerziellen Linux-Distributionen (Client und Server) zwischen 1999 und 2003 jährlich 25 Prozent betragen wird. Die anderen Betriebssystemen würden dagegen nur um 10 Prozent wachsen.

Damit würde Microsoft nicht nur bei den Betriebssystemen, sondern auch bei den Anwendungen kontinuierlich Kunden verlieren. "Wenn der Marktanteil schwindet, sinkt auch der Bedarf an Windows-Anwendungen", so der Computerexperte Neal Stephenson. Wenn Microsoft aber Programme für andere Betriebssysteme als Windows entwickle, schneide es sich ins eigene Fleisch. Was dem Software-Riesen vor Jahren zu seiner jetzigen Macht verhalf - Betriebsysteme und zeitgleich die passenden Anwendungen bereit zu stellen -, könnte sich irgendwann nachteilig auf seine Marktstellung auswirken.

Nach Ansicht von Bill Claybrock, Analyst bei Aberdeen, wird es kein Office für Linux geben, solange Microsoft ein Monopol bei Betriebssystemen hat. Allerdings müsse sich Microsoft etwas einfallen lassen, wenn die Anwender in Scharen zu Office-Konkurrenzprodukten - etwa von Corel oder Sun - überliefen.

Der amerikanische Windows-Experte Brian Livingston sieht aber noch eine ganz andere Möglichkeit: ein "Microsoft Linux". Wenn der Software-Hersteller eine richtig gute Installation, ein durchdachtes Setup und hervorragenden Support für Linux anbieten würde, könnte er im Linux-Markt sehr erfolgreich sein", so Livingston. Aber so richtig glaubt er auch nicht daran. (PC-WELT, 03.03.2000, sp)

MS-Office für Linux? (PC-WELT Online, 2.3.00)

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