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MS-Kartellprozess: Allchin schlug Allianz mit Apple vor

22.01.2007 | 09:53 Uhr |

Im Rahmen des Kartellprozesses gegen Microsoft in Iowa sind einige interessante, interne Mails des Managements veröffentlicht worden, die die Probleme verdeutlichen, die Microsoft beim Einstieg in das Geschäft mit digitaler Musik hatte. Dabei griff Windows-Chef Jim Allchin Partner wie Creative frontal an und schlug eine Allianz mit Apple vor.

Im Kampf gegen die Dominanz von Apple im Bereich digitale Musik setzte Microsoft vor einigen Jahren auf eine Gegenallianz bestehend aus Hardware-Herstellern und den Redmondern. Spezielle Musik-Player sollten statt auf iTunes auf den Windows Media Player setzen und so eine Alternative zum iPod bieten. Doch die Playern haben Microsoft-Manger offenbar nicht überzeugt, wie Mails dokumentieren, die nun im Rahmen des Kartellprozesses gegen Microsoft in Iowa veröffentlicht wurden.

So beschrieb der scheidende Windows-Chef Jim Allchin im Jahr 2003 seine Erfahrungen mit den Playern, fand deutliche Worte und schlug sogar eine Allianz mit Apple vor: "Ich denke, ich sollte mit Jobs sprechen. Jetzt, denke ich, sollte ich einen Dialog hinsichtlich der Unterstützung des iPods starten. Sollte sich nichts ändern, wird der iPod die Anwender vom Windows Media Player weg locken", so Allchin am 13. November 2003 in einer als vertraulich gekennzeichneten Mail. Diese trug die Betreffzeile "sucking on media players".

Die Mail war an to Amir Majidimehr gerichtet, derzeitiger Chef der Microsoft Consumer Media Technology Group. In der Mail beschrieb Allchin darüber hinaus seine Erfahrungen mit dem Musik-Player Nomad Jukebox Zen Xtra von Creative. Und dieser konnte Allchin offenbar überhaupt nicht überzeugen: "Ich muss Dir sagen, dass meine Erfahrungen mit unserer Software und diesem Gerät wirklich schrecklich sind", so Allchin in der Mail. Und weiter: "Ich denke, Du weißt dies bereits, aber ich hatte es persönlich noch nicht ausprobiert. Jetzt habe ich vergangene Nacht damit verbracht, ausgiebig damit herum zu spielen. Mein Gott ist das schrecklich. Was ist nicht verstehe ist, dass mir gesagt wurde, dass das neue Gerät von Creative kompatibel zu Apple ist. Dies ist nicht der Fall." In der Folge listet Allchin eine Reihe von Kritikpunkten auf, darunter unter anderem folgenden: "Das Design des Geräts spielt nicht in derselben Liga wie der iPod. Ich meine, es ist hässlich". Zu den weiteren Kritikpunkten gehören unter anderem die Software und die Bedienung. So verweist Allchin darauf, dass Creative eine eigene Software mitliefert und diese an Stelle des Windows Media Players als Standard vorschlägt.

Auch die Antwort von Majidimehr auf die Allchin-Mail ist interessant und offenbart Schwierigkeiten des Konzerns, Hardware-Hersteller davon zu überzeugen, auf den Windows Media Player zu setzen. "Morgen reist eine komplette Mannschaft zu Creative und danach zu Samsung und Rio um diese dazu zu bewegen, das 'richtige' Gerät zu bauen", so Majidimehr. "Wir legen Anreize in Form von Geld, technischen Support direktem Interface für Entwickler, frühen Zugang zum Code von Windows Media Player 9.1 und so weiter auf den Tisch. Mit anderen Worten: Wir setzen alles und hoffen, dass zumindest ein paar hören werden. Sollte dies nicht der Fall sein, wird es für uns Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und unsere eigene Hardware zu entwickeln."

Genau drei Jahre nach diesem Mail-Verkehr erblickte Microsofts Musikplayer Zune das Licht der Welt. Bis Juni dieses Jahres will der Konzern eine Million Geräte verkaufen.

Microsofts Zune Player spricht nun auch mit Windows Vista (PC-WELT Online, 21.12.2006)

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