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MP3-Tauschanbieter Scour rüstet auf

10.08.2000 | 12:29 Uhr |

Scour Exchange, ein Napster-ähnlicher MP3-Tauschanbieter, bereitet sich auf das kommende Gerichtsverfahren wegen Urheberrechtsverletzungen vor. Gleich drei Top-Anwälte werden Scour vertreten. Scour Exchange ist ein noch junges Produkt, dass aber für viel Aufruhr gesorgt hat. So können mit Scour nicht nur MP3-Dateien getauscht werden, sondern beispielsweise auch Video-Dateien. Deshalb beteiligt sich auch die Filmindustrie an dem Verfahren gegen Scour.

Scour Exchange, ein Napster-ähnlicher MP3-Tauschanbieter, bereitet sich auf das kommende Gerichtsverfahren wegen Urheberrechtsverletzungen vor. Gleich drei Top-Anwälte werden Scour vertreten: Fred Bartlit, Arthur Miller und Peter Toren.

Bartlit - er gehört zu den besten Anwälten in den Vereinigten Staaten - ist der Kopf des hochrangigen Teams und von der Kanzlei "Bartlit Beck Herman Palenchar & Scott" in Chicago. Arthur Miller ist ein Harvard-Professor und Experte im Internet-Recht. Peter Toren hat schon mehrere Bücher zum Thema Urheberrechte geschrieben und ist ehemaliger Chefankläger für Computer-Kriminalität beim amerikanischen Justizministerium.

"Wir hatten die Möglichkeit, die besten Anwälte auszuwählen, die wir in den USA haben. Dies ist ein extrem wichtiges Gerichtsverfahren", so Dan Rodrigues, der Chef von Scour.

Anders als Napster nutzt Scour eine "peer-to-peer"-Verbindung. Die User sind durch diese Technologie direkt miteinander Verbunden. Napster dagegen hat einen zentralen Server, der die Daten unter den Usern aufbereitet und über den die Nutzer miteinander in Verbindung treten. So reicht es bei Napster auch aus, den zentralen Server zu schließen, um den Austausch zu verhindern. Bei Scour ist dies nicht möglich.

So wird die "peer-to-peer"-Verbindung von den Unterhaltungskonzernen als eine noch größere Bedrohung angesehen, als Napster. Da verwundert es auch nicht, dass alles was Rang und Namen in der Unterhaltungsbranche hat, Scour am 20. Juli verklagt hat. Der Vorwurf ist, dass Scour den illegalen Austausch von Musik, Videos und anderen Dateien ermögliche.

Zu den Anklägern gehört auch in diesem Fall die RIAA (siehe Glossar). Die RIAA ist aber in diesen Tagen selbst unter Beschuss gekommen, nachdem mehrere Bundesstaaten bekannt gaben, die RIAA wegen illegaler Preisabsprachen verklagen zu wollen (wir berichteten).

Aber auch die Filmindustrie und die Organisation der Musik-Herausgeber haben sich der Klage gegen Scour angeschlossen.

Scour-Chef Rodrigues gibt sich siegessicher. Zwar gäbe es Parallelen zum Fall Napster, doch man habe schon bei der Entwicklung von Scour Urheberrechts-Experten an der Seite gehabt, die darauf geachtet hätten, dass das Programm nicht den "Digital Milliennium Copyright Act" (DMCA) - ein Bundesgesetz , dass die Verpflichtungen für Internet Service Provider gegenüber Urheberrechten regelt - verletzt wird.

Als sich Napster auf das Gesetz DMCA bezog, wurde dies vom Gericht abgelehnt, weil es sich um Napster nicht um einen Internet Provider handle. Rodriguez nennt Scour Exchange aber eine Internet-Such-Technologie, die durch das DMCA gedeckt sei. (PC-WELT, 10.08.2000, pk)

Downloadinformationen zu Scour Exchange

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