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MIT-Forscher sehen mit WLAN-Technik durch Wände

28.06.2013 | 16:18 Uhr |

Wissenschaftler am Forschungsinstitut MIT haben ein System namens Wi-Vi entwickelt, mit dem sie buchstäblich durch Wände sehen können. Es basiert auf WLAN-Technik und erkennt durch eine Wand die Bewegungen mehrerer Personen.

Am renommierten Massachussets Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) wollen Wissenschaftler durch Wände sehen. Sie benutzen dazu Funkwellen, die von modifizierten WLAN-Geräten (WiFi) ausgestrahlt werden. Aus den reflektierten Signalen können sie bereits die Bewegungsmuster mehrerer Personen in einem Raum unterscheiden. Ein Bild der Personen ergibt sich daraus bislang jedoch nicht.

Die MIT-Professorin Dina Katabi und ihr Mitarbeiter Fadel Adib nennen ihre Entwicklung „Wi-Vi” (Wi-Fi Vision). Sie benutzen die Funkwellen ähnlich wie Radar oder Sonar, kommen jedoch mit wesentlich weniger Kosten für die Geräte aus. Die Forscher verwenden übliche WLAN-Hardware, die im Frequenzbereich um 2,4 GHz funken und über drei Antennen verfügen, zwei Sende- und eine Empfangsantenne (MIMO).

Der größte Teil der Funkwellen wird von der Wand reflektiert und nur ein kleiner Anteil des Gesamtsignals kommt von Personen dahinter. Daher senden die Forscher zwei Signale aus, wobei eines das invertierte Signal des anderen ist. Die Reflexionen löschen sich bei statischen Objekten wie einer Wand gegenseitig aus, bei bewegten Objekten jedoch aufgrund der Signalkodierung nicht. Aus dem erhaltenen Nutzsignal errechnet das Wi-Vi-System Bewegungsmuster, wobei die sich bewegenden Menschen wie Antennen behandelt werden.

Wi-Vi ermöglicht zwei Betriebsarten. Eine kann genutzt werden, um bewegte Objekte, etwa Personen, hinter einer Wand zu erkennen. So kann etwa unterschieden werden, ob sich eine, zwei oder drei Personen im Raum bewegen. Im zweiten Modus kann ein Mensch auf der anderen Seite der Wand mit Gesten Informationen oder Befehle an den Wi-Vi-Empfänger senden. Derzeit ist diese Möglichkeit noch recht begrenzt, die Forscher hoffen jedoch sie weiter ausbauen zu können.

Wi-Vi ist zurzeit weit davon entfernt eine Art Röntgenblick durch Wände zu ermöglichen. Denkbare Anwendungen sieht Dina Katabi zum Beispiel im Aufspüren verschütteter Menschen nach einem Erdbeben. Polizeieinheiten könnten vor der Erstürmung eines Zimmers feststellen, wie viele Personen sich darin befinden. In eine Spielekonsole eingebaut, könnte ein Spieler auch nach Verlassen des Raums weiterspielen. Auf der Web-Seite des Projekts finden Sie ein Demo-Video sowie eine Abhandlung über Wi-Vi.

Die Wi-Vi-Technik könnte bald soweit sein, dass sie in ein Smartphone oder in Geräte vergleichbarer Größe passt. Die Fragen, die sich aus der zukünftigen Verfügbarkeit einer solchen Technik für die Privatsphäre ergeben, müssen erst noch beantwortet werden.

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