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Lulu.com: Linux-Pionier drängt Buchverlage in die Enge

04.07.2006 | 14:05 Uhr |

Der Redhat-Gründer Bob Young hat eine Internet-Plattform gegründet, die schon bald vielen Verlagen heftiges Kopfzerbrechen bereiten könnte.

Mit Lulu.com geht dieser Tage in Europa ein Internet-Dienst an den Start, der die Medienlandschaft verändern könnte. Profitieren können von Lulu alle Anwender, die eigene Ideen haben und an ihren Werken lieber selbst verdienen als Verlage oder große Software-Unternehmen zu finanzieren.

„Lulu.com ist kein Verlag und hat trotzdem mehr Bücher im Programm als die zehn größten Verlagshäuser zusammen“, erklärt Bob Young, Gründer von Lulu.com. Er vergleicht die Site gerne mit Ebay. „Was Sie auf Ihrem Dachboden haben, das können Sie bei Ebay verkaufen, was auf Ihrer Festplatte liegt, verkaufen Sie über Lulu.com“, erklärt er. Bei Lulu kann jeder Bücher, aber auch Fotokalender, Bilder, Videos und Musik anbieten. Wichtig ist nur, dass alle Rechte an den Werken beim Anbieter liegen.

Im Gegensatz zu einem Verlag, der gleich mehrere tausend Exemplare eine Buches druckt, werden bei Lulu Bücher nur als Einzelexemplare oder in Kleinstauflagen hergestellt. Remittendenexemplare und Restauflagen gehören damit der Vergangenheit an. Bob Young weiß, wovon er spricht. Der spleenige Kanadier - er trägt selbst zum dunklen Anzug sein Markenzeichen, rote Socken - hat aus den Restexemplaren seines letzten Buches seinen Schreibtisch und den Schreibtischstuhl gebaut. „Aus den vielen Büchern, die bei den Verlagen auf Halde liegen, entstand die Idee zu Lulu.com“, erklärt er.

Nun sind Books on demand eine Idee, die bereits in den 90er Jahren entwickelt wurde, sich aber außerhalb der Fachwelt nie richtig durchsetzen konnte. Dass sich das jetzt ändert, dafür könnte Young zumindest mitverantwortlich sein. Der Kanadier kommt ins Schwärmen, wenn er von den neuen Druckmaschinen erzählt, die ohne nennenswerte Einrichtungskosten und Zeitverluste einzelne Exemplare von Büchern drucken, binden und schneiden - so, wie der Auftraggeber es will. Ein solches System soll dieser Tage zum Europa-Start von Lulu.com auch in Spanien zum Einsatz kommen.

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