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Lübecker erfindet neue Methode zur Datenkomprimierung

18.12.2006 | 08:56 Uhr |

Christian Werner hofft auf eine ähnlich bahnbrechende Erfindung wie beim Dateiformat MP3: Der 29-jährige Lübecker hat eine Methode entwickelt, mit der sich in der Computersprache XML geschriebene Datensätze entscheidend verkleinern lassen.

Das bedeutet weniger Speicherplatz und eine schnellere Datenübermittlung und kann damit zum Beispiel das Herunterladen von Internetdaten per Mobiltelefon erleichtern. Der frisch promovierte Mitarbeiter der Universität zu Lübeck hat seine Erfindung namens "Xenia" mit Hilfe der Patent- und Verwertungsagentur Schleswig-Holstein (PVA SH) für das deutsche Patent angemeldet. Auch die internationalen Rechte möchte sich der Telematiker Werner sichern. Als er im September seine Idee auf einer Konferenz für Computerwissenschaftler in Chicago vorstellte, signalisierten Unternehmen aus Europa und den USA Interesse.

"Am Anfang war ich nur glücklich, dass ich für meine Doktorarbeit etwas zu forschen hatte. Da denkt man nicht gleich an ein Patent", erinnert sich Werner. "Ich habe dann aber schnell erkannt, dass diese Erfindung auch ein großes Marktpotenzial besitzt."

Der Erfinder steht mit seiner Meinung nicht allein. "Ich könnte mir bei dieser Erfindung gut vorstellen, dass sie bald weltweiter Standard ist", meint Patentscout Dirk Lukas. Der Physiker betreut bei der PVA SH Werners Patentanmeldung und hofft, dass "Xenia" bald in sämtlichen Geräten mit Internetanschluss verwendet werden kann.

"Die Anwendungsgebiete dieses Kompressors sind viel umfangreicher als die von MP3", erläutert Lukas. Während MP3 nur für Audiodaten gedacht sei, könne Xenia überall dort zum Einsatz kommen, wo zwischen Maschinen Dateien in großer Zahl ausgetauscht werden. Die Arbeitsweise könne man sich vereinfacht so vorstellen: "Benutzt man zum Beispiel einen Computer zum Steuern einer Modelleisenbahn, braucht dieser nicht mit dem gesamten Fahrplan inklusive Abfahrtzeiten und Bahnhofsnamen, sondern lediglich mit Informationen für die Weichenstellung gefüttert werden." Das verringere die Datenmenge entscheidend.

Schon jetzt gibt es verschiedene Programme, die XML-Datensätze komprimieren können. Ihr Nachteil: Sie verkleinern den Datenumfang nur in geringem Maße, brauchen viel Speicherplatz und viel Prozessorenleistung. "Mit 'Xenia' können XML-Daten auf ein bis 15 Prozent ihrer ursprünglichen Größe komprimiert werden", erklärt Werner. Und der Kompressor lasse sich als Chip problemlos in jedes mobile Gerät einbauen. (dpa/tc)

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