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Loveletter: abgelehnte Examensarbeit

Der fatale Loveletter-Wurm ist möglicherweise auf eine Software zurückzuführen, die ein philippinischer Student an der Uni als Abschlussarbeit eingereicht hatte. Er schreibt darin, dass sein Programm für viele Leute nützlich sein werde - besonders für Internet-Nutzer, um Passwörter zu Internet-Accounts zu bekommen und so kostenlos zu surfen. Die Hochschule hatte sie mit dem Vermerk "illegal" abgelehnt.

Bei der Fahndung nach dem Urheber des so genannten Loveletter-Wurms haben die Ermittler einen weiteren Verdächtigen: Onel de Guzman, Bruder von Irene de Guzman, die wiederum die Freundin des vorübergehend festgenommenen Bankangestellten Reomel Ramones ist. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner Online-Ausgabe berichtet, wohnen die drei zusammen in der Wohnung in Manila, die das philippinische National Bureau of Investigation (NBI) am Montag durchsucht hat. Alle hatten das AMA Computer College besucht, das jetzt im Zentrum der Ermittlungen steht.

Wie der stellvertretende Leiter des College gegenüber "Spiegel" erklärte, hat Guzman ein Programm geschrieben, das dem Virus ähnlich ist. Der Student habe die Software als Abschlussarbeit eingereicht. Die Hochschule habe sie mit dem Vermerk "illegal" abgelehnt. Guzman schreibt in seiner Arbeit, dass sein Programm für viele Leute nützlich sein werde - besonders für Internet-Nutzer, um Passwörter zu Internet-Accounts zu bekommen und so kostenlos zu surfen: "Benutzt es, um Internet-Accounts zu stehlen". Sein Programm wurde überwiegend in der Programmiersprache Visual Basic verfasst - genau wie der Loveletter-Virus.

Die Polizei sucht nach Guzman und seiner Schwester. Ramones war nach der Hausdurchsuchung festgenommen und am Dienstag aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen worden. Er muss sich jedoch am 19. Mai vor einem Gericht zu den Vorwürfen äußern. Ihm werden Verstöße gegen ein Landesgesetz zur Last gelegt, das das Ausspionieren von Mail-Adressen und die unrechtmäßige Aneignung von Konto- und Kreditkartennummern verbietet. Als Höchststrafe drohen 20 Jahre Gefängnis.

Außerdem hat ein philippinischer Internet-Provider die zehn Code-Namen bekannt gegeben, über den der zerstörerische Virus ins Netz geschleust worden ist. Mit Hilfe zweier Beamter des FBI wollen die philippinischen Ermittler zahlreichen Hinweisen in Nordamerika nachgehen. Dort verfolgt das FBI zusätzliche Spuren.

Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge gibt es keinen Bezug zu Tätern in Deutschland. Zu dem deutschen Verdächtigen, einem in Australien lebenden Austauschschüler, wollte das BKA nichts sagen. Bundesinnenminister Otto Schily spricht sich vor allem für präventive Maßnahmen aus. Im ARD-Morgenmagazin sagte Schily, man müsse nicht nur die Gesetze ändern, sondern auch die Software so gestalten, dass sich größere Schäden durch solche Viren weitgehend ausschließen lassen. (PC-WELT, 10.05.2000, dpa/ sp)

Analyse und Details zu VBS/Loveletter

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