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Loveletter: Verwirrung um Täter

09.05.2000 | 18:05 Uhr |

Die philippinische Polizei hat bei der Ermittlung gegen den Urheber des zerstörerischen "Loveletter"-Wurms drei Verdächtige fest genommen. Dringender Tatverdacht besteht gegen den 28-jährigen Bankangestellten Reomel Ramones. Es gibt jedoch zahlreiche weitere Hinweise auf Verdächtige. So verfolgt die zentrale Ermittlungsbehörde NBI anhand von Code-Namen die Spuren von zehn weiteren mutmaßlichen Tätern.

Die philippinische Polizei hat bei der Ermittlung gegen den Urheber des zerstörerischen "Loveletter"-Wurms drei Verdächtige fest genommen. Dringender Tatverdacht bestand gegen den 28-jährigen Bankangestellten Reomel Ramones. Er sollte wegen Verstoßes gegen ein Gesetz vor Gericht gestellt werden, das das Ausspionieren von Mail-Adressen und die unrechtmäßige Aneignung von Konto- und Kreditkartennummern verbietet. Die Höchststrafe liegt bei 20 Jahren Haft.

Wie allerdings die "Washington Post" unter Berufung auf die Associated Press berichtet, haben die philippinischen Behörden Ramones mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt. Ramones hatte jegliche Beteiligung an der Verbreitung des Liebes-Virus abgestritten. "Es tut schon sehr weh, dass ich überhaupt nicht beteiligt war und dennoch derart von den Behörden festgenagelt wurde", erklärte der „Equitable Bank“-Angestellte gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Dabei nutze ich das Internet nicht mal gerne."

Seine ebenfalls gestern verhaftete Freundin bleibt dem Bericht zufolge noch weiter in Untersuchungshaft. US-Justizministerin Janet Reno hatte bereits am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Washington Zweifel geäußert, dass der Virus tatsächlich von Ramones kreiert werden konnte.

Den entscheidenden Tipp zur Festnahme auf den Philippinen gab offenbar ein schwedischer Gymnasiast, der in Stockholm mit Virusexperten zusammengearbeitet hatte. Der 19-jährige Jonathan James soll bei nächtlichen Telefonaten mit FBI-Detektiven wichtige Hinweise geliefert haben. Er hatte sich bei der Suche im Internet zu sonst nur philippinischen Programmierern zugänglichen Web-Adressen Zugang verschafft. Dort habe er den für die Kettenemails unter dem Titel - I LOVE YOU - geschrieben Virus gefunden, der aber dort noch nicht freigegeben gewesen sei. Zu den Festnahmen sagte James: "Ich bin mir sicher, dass sie die Richtigen haben."

Am Montag hatte die Polizei auf den Philippinen neben Ramones seine Frau sowie deren Schwester festgenommen. Auch Computerzubehör, Telefonanlagen und Dokumente wurden beschlagnahmt. Laut Medienberichten war es das erste Mal, dass die zentrale Ermittlungsbehörde der Philippinen Hacker-Verbrechen verfolgt. Unter den Ermittlern gebe es aber Befürchtungen, dass wichtiges Beweismaterial bereits zerstört wurde.

Es gibt jedoch zahlreiche weitere Hinweise auf Verdächtige. So verfolgt die zentrale Ermittlungsbehörde NBI anhand von Code-Namen die Spuren von zehn weiteren mutmaßlichen Tätern. Es bestehe der Verdacht, dass sich Studenten des Computercolleges AMA in Manila hinter den Codes verbergen. Die zehn Code-Namen hatte ein ortsansässiger Internet-Provider bekannt gegeben, über den in der vergangenen Woche der zerstörerische Wurm ins Netz geschleust worden war.

Der philippinische Internet-Provider Accessnet hatte kurz nach Auftauchen von "I love you" einen 22-jährigen Filipino als Verdächtigen identifiziert. Der britische Nachrichtensender BBC hatte dagegen berichtet, die Polizei suche nach einer Studentin. Am Wochenende hatte ein schwedischer Computerexperte dann einen deutschen Austauschstudent in Australien als möglichen Urheber genannt. Experten warnten allerdings vor allzu schnellen Verdächtigungen, die auf bewusst gestreuten Falschinformationen basieren könnten. (PC-WELT, 09.05.2000, Update: 18 Uhr 30 dpa/ sp/ jas)

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