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Wie Firefox 3 Deutsch lernt

02.06.2008 | 12:30 Uhr |

Während der mit Spannung erwartete Firefox 3 noch einige Tage auf seine Veröffentlichung warten muss, ist die deutsche Übersetzung des Browsers bereits unter Dach und Fach.

Hauptverantwortlich für die deutsche Sprachversion zeichnet der junge Germanistikstudent Abdulkadir Topal, der den Mozilla-Browser seit seinen Anfangstagen einem deutschsprachigen Publikum zugänglich macht. Konnte der Alternativbrowser anfänglich gerade einmal einige Hundert bis Tausend User im deutschen Sprachraum begeistern, ist die deutsche Anwender-Community mittlerweile auf rund 20 Mio. angewachsen. Für die Veröffentlichung von Firefox 3 plant Mozilla die rekordverdächtige Bereitstellung von 50 unterschiedlichen Sprachversionen gleichzeitig.

"Begonnen hat alles im Jahr 2002, als ich auf der Suche nach einem schlanken und sicheren Browser war. Damals hieß Firefox noch Phoenix und hatte die Versionsnummer 0.3", erzählt Topal im pressetext-Interview. Da ihm die Zielsetzung des winzigen Browserprojekts, das im Kern gerade einmal aus drei Entwicklern bestand, zusagte, bliebt Topal beim Firefox-Vorläufer hängen und bastelte für sich selbst eine rudimentär übersetzte deutsche Ausgabe. Da der Alternativbrowser schnell an Popularität gewonnen habe, sei der Ruf nach einer offiziellen deutschen Version bald lauter geworden, erinnert sich Topal: "Bei Version 0.5 war es dann soweit. Ich habe mir das OK von den Entwicklern geholt und war ab diesem Zeitpunkt quasi 'offiziell' für die deutsche Version verantwortlich."

Der Firefox-Boom von mittlerweile rund 500 Mio. Downloads hat auch Topal ins Staunen versetzt und sein Verantwortungsbewusstsein stark anwachsen lassen. "Im Prinzip hatte ich anfangs von Software-Übersetzung keine Ahnung. Mittlerweile läuft der ganze Prozess natürlich viel professioneller ab, zumal man sich bewusst ist, dass die gewählten Menübegriffe von Mio. von Usern verwendet werden", so Topal. Die Suche nach dem richtigen deutschen Begriff für die englischen Entsprechungen gestaltet sich dabei allerdings nicht immer unproblematisch. So bereitete gerade die Begriffsfindung für das von Mozilla populär gemachte Tabbed Browsing, also das Öffnen einzelner Unterseiten innerhalb des Browserfensters, Probleme.

"Die Übersetzung 'Karteikartenhalter' oder 'Registerkartenhalter' für das knappe englische Wort 'Tab' geht einfach nicht. Das passt in kein Menü und ist zu sperrig für den Sprachgebrauch. Nach langem Hin- und Herüberlegen haben wir uns daher entschieden, das englische Wort zu belassen", erklärt Topal gegenüber pressetext. Microsoft schlug später übrigens einen eigenen Weg ein und führt die Funktion seither als "Registerkarte", ein Begriff, der sich bislang im deutschen Sprachraum aber kaum durchsetzen konnte. In einem anderen Fall gab sich Topal mit dem in früheren Versionen übernommenen englischen Originalbegriff 'History', aber auch mit der Microsoft-Übersetzung 'Verlauf' nicht zufrieden. "Ich denke, unter beiden Begriffen können sich die meisten Anwender nichts vorstellen. Bei Firefox verwenden wir daher die Bezeichnung 'Chronik', um die in der Vergangenheit besuchten Seiten zu dokumentieren."

Um wechselwillige User nicht zu verunsichern, versuche man in der Regel allerdings, möglichst standardkonforme Begriffe zu verwenden, die Anwender auch von anderen Browsern her kennen. Fachkundige Unterstützung erhält Topal dabei von den beiden Übersetzern der Mozilla-Projekte Thunderbird und Seamonkey sowie von den zahlreichen Betatestern der deutschen Mozilla-Community. Ungeachtet der enormen Popularität des Projekts hat sich für den jungen Übersetzer nur wenig im Arbeitsvorgang geändert. So stellt Topal wie alle anderen Übersetzer und die Mehrheit der Entwickler seine Arbeit kostenlos zur Verfügung. Darüber hinaus fungiert er als Administrator in den deutschen Firefox-Support-Foren. "Andere sind bei der freiwilligen Feuerwehr, ich arbeite sozusagen gemeinnützig am Mozilla-Projekt mit", so Topal abschließend. (pte)

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