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Facebook-Gesichtserkennung verstößt gegen Datenschutzrecht

02.08.2011 | 15:16 Uhr |

Die von Facebook vor einigen Wochen eingeführte Gesichtserkennung verstößt nach Ansicht des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit gegen europäisches und deutsches Datenschutzrecht.

Prof. Dr. Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, hat Facebook am Dienstag dazu aufgefordert, alle über die Gesichtserkennung gespeicherten biometrischen Daten der Nutzer sofort zu löschen. Anschließend solle Facebook die Gesichtserkennung an europäische und nationale Datenschutzstandards anpassen oder sie komplett abschalten.

Facebook hatte vor einigen Wochen die neue Funktion der Gesichtserkennung bei hochgeladenen Fotos in Deutschland eingeführt. Dabei analysiert Facebook die von Nutzern hochgeladenen Fotos, markiert Gesichter nach biometrischen Merkmalen aus und speichert sie. Werden auf den Fotos Übereinstimmungen mit Freunden erkannt, dann schlägt Facebook die namentliche Markierung der erkannten Personen vor.

"So entsteht die vermutlich weltweit größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen einzelner Personen", heißt es in der Mitteilung der Datenschützer. An dem Einsatz der Gesichtserkennungssoftware zur Erleichterung des Foto-Taggings von Freunden sei dabei nicht das Problem. Die Datenschützer stören sich vor allem daran, dass Facebook mittels dieser Funktion im Hintergrund eine Datenbank zur Gesichtserkennung mit Millionen von Nutzern aufbaue. Dabei wird auf die von Facebook bisher genannten Zahlen verwiesen: Bisher wurden über 75 Milliarden Fotos bei Facebook hochgeladen und mehr als 450 Millionen Personen getaggt.

"Die Risiken einer derartigen Ansammlung biometrischer Daten sind immens", so die Hamburger Datenschützer, die auch darauf hinweisen, dass derzeit jeder auf einem Foto markierte Nutzer in der Datenbank erfasst werde, der nicht ausdrücklich dagegen einen Widerspruch einlegen. Dabei sei das von Facebook angebotene derzeitige Opt-Out irreführend.

Facebook-Nutzer können in den Privatsphäre-Einstellungen unter "Freunden Fotos von mir vorschlagen" verhindern, dass Markierungsvorschläge unterbreitet werden. Laut schriftlicher Angabe von Facebook würden nach Abschalten dieser Funktion alle biometrischen Daten gelöscht. Dem Facebook-Hilfesystem sei aber zu entnehmen, dass nur die Markierungsvorschläge unterdrückt würden.

Die Datenschützer warnen: "Es ist davon auszugehen, dass die biometrischen Daten gespeichert bleiben. Wenn Nutzer ihre bereits gespeicherten biometrischen Informationen löschen wollen, müssen sie zunächst das Online-Hilfesystem durcharbeiten." Die im Hilfesystem genannte Funktion "Daten aus Fotovergleich löschen" existiere allerdings gar nicht. An einer anderen Stelle im Hilfesystem werde der Facebook-Anwender darüber informiert, wie er mit dem "Facebook Foto-Team" in Kontakt treten könne, um dort um die Löschung aller über ihn selbst gespeicherten biometrischen Daten zu bitten. Die Opt-Out-Möglichkeit sei damit vorhanden, aber für normale Nutzer nur schwer zu finden. Besonders bedenklich erscheine dabei, dass sogar minderjährige Facebook-Nutzer die Gesichtserkennung voreingestellt aktiviert sei.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit betont allerdings, dass die Facebook-Gesichtserkennung auch bei einem einfacheren Opt-Out-Verfahren nicht den nationalen und europäischen Datenschutzanforderungen genüge. "Für eine Speicherung von biometrischen Merkmalen ist eine vorab erteilte, unmissverständliche Einwilligung der Betroffenen erforderlich. Zu unterstellen, durch bloßes Nichteinlegen eines Widerspruchs läge eine Zustimmung vor, reicht hierfür nicht aus"; so die Datenschützer.

Johannes Caspar fordert: "Wir haben Facebook wiederholt aufgefordert, die Funktion der Gesichtserkennung abzuschalten und die bereits gespeicherten Daten zu löschen. Sollte Facebook diese Funktion weiterhin aufrechterhalten, muss sichergestellt werden, dass nur Daten von Personen in die Datenbank eingehen, die zuvor wirksam ihre Einwilligung zur Speicherung ihrer biometrischen Gesichtsprofile erklärt haben."

Die automatische Gesichtserkennung, so Caspar weiter, sei ein schwerer Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen. Dies müsse auch ein global agierendes Unternehmen berücksichtigen. Daher dürfe Facebook nicht lediglich auf ein Widerspruchsverfahren verweisen, sondern gezielt die Entscheidung der Nutzer einfordern. "Facebook sollte dies erkennen und unseren Forderungen schnell nachkommen", fordert Caspar.

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