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Lizenzgebühren für Musik im Web

23.01.2001 | 16:38 Uhr |

Die internationalen Musikverleger fordern die weltweite Lizenzierung und Verwertung von Musik im Internet. Nationale Regelungen hätten sich als unzureichend erwiesen.

Die internationalen Musikverleger fordern die weltweite Lizenzierung und Verwertung von Musik im Internet. "Dies darf nicht mehr national organisiert werden, sondern muss international geschehen", betonte der Präsident von BMG Music Publishing Worldwide im Bertelsmann-Konzern, Nicholas Firth, auf der Musikmesse Midem in Cannes. Das größte Repertoire an guter Musik sei für Verleger und Plattenfirmen wertlos, wenn sie keine Lizenz besäßen, ergänzte Irwin Robinson, Geschäftsführer von Famous Music Publishing Worldwide. "Wir müssen endlich globale Online-Lizenzierung einführen."

Momentan verdiene die Musikindustrie noch kein Geld im Web. "Es sind Musik-Piraten, also Diebe, und Pornographie-Anbieter, die Geld im Web machen - das müssen wir ändern", sagte Firth. Die Plattenindustrie beharre aber immer noch auf ihrem alten Geschäftsmodell, dem Plattenverkauf. Dieser könne auch innerhalb nationaler Grenzen geregelt werden. "Aber im Internet reden wir nicht über Hardware, sondern über Software". Und diese sei über das Web weltweit verfügbar; nationale Gesetze, Rechte und Strategien reichten hier nicht mehr aus.

Die Verwertungsgesellschaften arbeiteten noch im nationalen Rahmen. So schüttet die GEMA Gelder für Musikaufführungen im deutschsprachigen Raum aus. Findet eine Aufführung aber in einem anderen Land statt, ist sie nicht direkt zuständig. Da das Internet jedoch keinen Standort hat und Webereignisse weltweit stattfinden, sei die Frage zu klären: Wo werden die Rechte wahrgenommen - am Standort des Providers, im Land des jeweiligen Downloads oder am Sitz des Rechteinhabers? Außerdem müsse jede Musik-Datei eindeutig identifizierbar sein, damit man weiß, wer berechtigt ist, Lizenzgebühren zu verlangen - und wo. Diese Fragen müssten schnell geklärt werden, meinte Robinson. Sonst könne es sein, dass die Politik den Gesellschaften und Verlegern die Entscheidung aus der Hand nehme.

Es sei auch nötig, die Gelder schneller an die Lizenzgeber auszuschütten. "In der modernen Informationsgesellschaft kann man Musik im Internet per Knopfdruck sofort hören, und abgerechnet wird online. Aber die Autoren bekommen ihr Geld erst 18 Monate später- wenn sie Glück haben", kritisierte Crispin Evans von Universal.

Der Vizepräsident der Gema, Jürgen Becker, sieht die Verwertungsgesellschaften aber auf dem richtigen Weg. Mit einer Ende vergangenen Jahres geschlossenen Vereinbarung der großen Verwertungsgesellschaften, die zusammen mehr als 100 Länder abdecken, sei nun der Weg zu einer weltweiten Inanspruchnahme von Urheberrechten geebnet. Diese Vereinbarung sehe vor, dass die Rechte eines Lizenzinhabers dort abgegolten werden, wo er seinen Hauptsitz hat - egal, wo seine lizenzierte Musik aufgeführt, abgespielt oder heruntergeladen wird. Außerdem wolle man ein System globaler Lizenzierung schaffen. (PC-WELT, 23.01.2001, dpa/ hc)

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