09.07.2008, 11:29

Hans-Christian Dirscherl

Lively

Google startet virtuelle 3D-Welt

Second Life & Co bekommen einen neuen Konkurrenten. Denn Google hat eine eigene virtuelle 3D-Welt geschaffen. Mit dem in Cartoon-Optik auftretenden Lively will Google dem "social Web" neuen Schwung verleihen.

Google Lively sei als "20 Prozent"-Projekt einiger Google-Mitarbeiter quasi so nebenher und in Eigeninitiative in den Google Labs entstanden. Den Google-Leuten erschien das Internet trotz Second Life und Konsorten als zu statisch - zumindest stellt es Niniane Wang, Engineering Manager von Google, so dar. Mit Lively sollen Internetnutzer emotionaler und auf humorvollere Weise miteinander kommunizieren können. In 3D-Optik, in Echtzeit und mit individuell gestalteten Avataren, die sich auch schon mal küssen oder um den Hals fallen.
Die vorhandenen virtuellen Räume kann man aber erst betreten, wenn man den Google Lively-Client auf dem eigenen Rechner installiert hat. Das ist unter Windows XP und Vista möglich, Linux und MacOS-Nutzer müssen sich also weiterhin mit dem realen Leben zufrieden geben. Lively läuft nach der Installation des 480 KB großen Programms im Internet Explorer oder im Firefox. Sie wählen einen virtuellen Raum aus und melden sich dort mit Ihrem Google-Account an. Bevor Sie den Raum betreten, entscheiden Sie noch für Ihren Avatar und machen dafür einige Einstellungen. So können Sie sich entscheiden, ob Ihr Avatar männlich, weiblich oder als Tier auftreten soll. Sie wählen dazu die passende Frisur und die gewünschte Hautfarbe, die Augenfarbe und weitere Details.

Sie können für Ihre eigenen Räume eine noch leere Vorlage wählen und diese dann nach Ihren Wünschen mit Möbeln und anderen Gegenständen ausstatten. Für den selbst erstellen Raum können Sie festlegen, ob er für andere Lively-Nutzer sichtbar sein soll und ob Gäste Gegenstände in Ihrem virtuellen Reich bewegen dürfen. Danach steht dem virtuellen Vergnügen nichts mehr im Wege. Die Darstellung hat etwas cartoonhaftes, Text erscheint als Sprechblase wie in einem Comic.
Mittlerweile stehen einige fertige Räume - oder besser gesagt - Welten zur Auswahl. Wenn Sie die Enge der vier Wände verlassen wollen, so können Sie sich beispielsweise auf eine einsame Insel begeben. Während Sie die Palmen bewundern oder vom Anlegesteg Ihren Blick in die Ferne schweifen lassen, hören Sie das Rauschen der Meereswellen und das Zwitschern der Möwen. Der Blick in ihre virtuelle Welt ist wahlweise aus der Vogelperspektive und aus der Sicht das Avatars möglich. Virtuellen Räume lassen sich in eigene Websites einbinden, Google liefert gleich die passenden Links mit.
Ein konkretes Beispiel für eine Anwendungsmöglichkeit von Google Lively (das in Teilen bereits 2007 unter dem Namen My World entstand) könnte also so aussehen: Sie integrieren den von Ihnen selbst gestalteten und möblierten Raum in Ihren eigenen Webauftritt und empfangen dort künftig Ihre Besucher (die dann natürlich einen Google-Account benötigen). Statt in einem eher sterilen Chat, plaudern Sie stattdessen gemütlich auf der virtuellen Couch lungernd mit Ihren Gästen. Und zeigen ihnen einige Youtube-Videos, die Sie in die Lively-Räume einbauen und abspielen können - ebenso wie eigene Bilder.
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