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Linux im Aufwind - global gesehen

04.04.2006 | 16:57 Uhr |

Der internationale Marktbeobachter Gartner hat seine Studie über die Verkaufszahlen des ersten Quartals für den Smartphone-Markt veröffentlicht und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Während Symbian auf etwas über drei Vierteln aller verkauften Smartphones installiert war und damit nach wie vor klar den Markt anführt, konnte sich auch Linux etablieren, einen Anteil von 13,7% für sich verbuchen und seinen Marktanteil gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als vervierfachen. Hauptkonkurrent Windows Mobile liegt lediglich bei 4,5% und konnte seinen Anteil im Vergleich zum ersten Quartal verdoppeln. PalmOS überbietet das ambitionierte Redmonder System nur knapp und kommt auf 4,6%. RIMs Blackberry-System, das ausschließlich auf den eigenen Endgeräten des Herstellers installiert wird, bekommt trotz des ungebrochenen Interesses lediglich 1% des Kuchens ab.




Diese Zahlen sind wie immer mit Vorsicht zu genießen und widersprechen teilweise Anaylsen der Vergangenheit. Gerade Gartner bedient sich bei der Marktanalyse einer nicht besonders scharf umrandeten Definition des Begriffs "Smartphone", was sich auch auf die Analysen des PDA-Marktes niederschlägt. Außerdem gibt Gartner in seiner Studie lediglich das Betriebbsystem "Windows Mobile for Smartphones" an, das PocketPC-System fällt beim Vergleich unter den Tisch - womit der deutliche Abstand zwischen Linux und Windows Mobile deutlich kleiner ausfallen könnte als die Studie angibt.
Wie auch immer, beschweren muss sich niemand. Laut einer Mitarbeiterin der Studie wären nämlich die absoluten Absatzzahlen von Geräten unabhängig vom Betriebssystem im 1.Quartal deutlich gestiegen. Die Prognosen stehen gut für die Hersteller: fürs erste Quartal prophezeit Gartner eine Verdoppelung des Gesamtabsatzes.

Während derzeit jährlich etwa 700 Millionen "mobile Terminals" (damit sind auch PDAs und vermutlich auch TabletPCs gemeint, Smartphones sind am Gesamtabsatz zu lediglich 5% beteiligt) ihren Besitzer wechseln, erwartet Gartner 2009 den Fall der Milliarden-Marke.

Wer jetzt beim Händler seins Vertrauens auf die Suche nach Linux-Endgeräten geht, (noch) nicht fündig wird und sich angesichts der "Übermacht" von Symbian und Windows auf deutschen Smartphones wundert, wie diese Zahlen zustandekommen sollen, sollte wie immer einen Blick nach Japan werfen.

Neben Linux-basierten elektronischen Brieftaschen, Zugangskontrollkärtchen und öffentlichen WiFi VoIP-Terminals(!) nutzen die Japaner vornehmlich Handys von des Betreibers NTT DoCoMo - und der baut und vertreibt schon seit anderhalb Jahren Geräte mit dem freien Betriebssystem.

Das geschieht natürlich nicht nur aus der Weisheit heraus, kein amerikanisches Software-Monopol unterstützen zu wollen: NTT DoCoMo hält 3 Millionen US$ Anteil am amerikanischen embedded Linux-Hersteller Montavista mit Sitz im kalifornischen Sunnyvale. Darüber hinaus haben Qualcomm und Samsung Chipsätze angekündigt , die Linux direkt unterstützen und damit die Produktion von neuen Endgeräten deutlich vereinfachen sollen.

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