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Linux auf mobilen Endgeräten: Nokia über Vorteile und Grenzen

Auf der Linuxworld hat der Chef der Open-Source-Sparte von Nokia, Ari Jaaksi, am Donnerstag dem interessierten Publikum die Vorteile, Gefahren und Grenzen von Linux erklärt. Nokia ist schon seit einigen Jahren an der Entwicklung von quelloffenen Anwendungen für mobile Endgeräte wie dem N800 beteiligt.

Die Entwickler von Handysoftware kämpfen mit zwei Problemen: wegen der breiten Technikvielfalt moderner Endgeräte erfordert die komfortable Bedienung ein hohes Maß an Mehrarbeit, in Folge sinkender Preise stehen ihnen im Gegenzug weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Mit Linux könnten die Probleme aus der Welt geschafft werden; doch warum nutzen die Hersteller das offene Betriebssystem nicht längst flächendeckend auf ihren Geräten? Nokia wagte bereits den Schritt und stellte 2005 sein Linux-Tablet 770 vor, das über eine angepasste Version von Gnome bedient wird. Ein Jahr später kam der Nachfolger N800 in den Handel.

Auf der Linuxworld berichtete Ari Jaaksi, Open-Source Director bei Nokia, am Donnerstag über seine Erfahrungen mit der Entwicklung von quelloffenen Anwendungen. In seinen Augen sei Linux "die Abschussrampe, auf der man stehen muss, um produktiv zu sein". Mit Blick auf die Internet-Tablets fügte er hinzu: "Wir haben es noch nie geschafft, ein Produkt in so kurzer Zeit mit so wenig Ressourcen herauszubringen".

Trotz der Begeisterung für die Vorteile von Open-Source-Software, sieht Jaaksi auch die Herausforderungen, die mit der Community-Arbeit entstehen. So scheint es unmöglich zu sein, die Entwicklung von Software einzufrieren, um die Rückwärtskompatibilität zu erhalten. Die Funktionen würden in einer anderen Version weiterbenutzt und das System dadurch schnell funktionsunfähig. In einem Fall mussten die Entwickler den Kernel zwei Monate vor der Auslieferung komplett überarbeiten.

Ein weiteres Problem sei die Gewinnung der Entwickler für die Finalisierung der Software. Nach Jaaksis Erkenntnis ist ein freier Entwickler schon glücklich, wenn die Anwendung funktioniert, doch sei dies erst die Hälfte der gesamten Arbeit. Die Applikation muss noch internationalisiert werden, sie darf nicht zu viel Rechenkraft verbrauchen, zudem müsse sie getestet werden. Er glaube deshalb nicht, dass die gemeinschaftliche Entwicklung allein und ohne die Einbindung von Unternehmen fertige Produkte für den Endverbraucher hervorbringt.

Die Gefahr des Softwarediebstahls sieht Jaaksi dagegen gelassen. Der Konkurrent habe die Software, doch Nokia habe die Köpfe. "Wissen die Wettbewerber, mit wem sie zusammenarbeiten müssen, um zu bekommen, was sie brauchen?" Der Name Nokia habe einen guten Klang in der Community und helfe, die Leute zu bekommen, die zur Entwicklung bestimmter Ideen benötigt werden. Er gibt sich zuversichtlich, dass andere Unternehmen dem Beispiel folgen, denn "die Nutzung von Software aus vorgeschalteten Projekten und die Partizipation an der Arbeit der Community sind Fähigkeiten, die jede Hi-Tech-Company in Zukunft lernen muss."

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