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Linux auf dem MDA: Mehr als ein Bastler-Hobby

04.04.2006 | 17:32 Uhr |

Ende 2001 kamen T-Mobile und O2 auf den bahnbrechenden Gedanken, einen PDA mit einem Handy zu kreuzen. Seinerzeit war die Gerätelandschaft, insbesondere was die Verfügbarkeit von bedienbaren Smartphones anbetraf, noch überschaubar: Nokias Communicator 9210i war eines der wenigen Geräte, mit denen man sowohl arbeiten als auch telefonieren konnte. Da man als Netzbetreiber schwerlich ein Gerät in Eigenregie entwerfen, testen und fertigen kann, beauftragte man den taiwanischen ODM-Hersteller HTC mit der Produktion der ersten XDA/MDA-Geräteserie. Seitdem ist HTC, obwohl er offiziell nicht in Erscheinung tritt, der wichtigste Hersteller von Windows Mobile-Endgeräten der Welt.



Dass man sich bei der Betriebssystemauswahl für das in Amerika und Europa etablierte WinCE-basierte Windows Mobile entschied, war eine zukunftsweisende Entscheidung. Eine Reihe von Entwicklern möchte allerdings beweisen, dass man auf der Geräteplattform auch andere Systeme als das lizenzpflichtige und nicht besonders erweiterungsfreudige Windows einsetzen kann. Linux bietet sich dank seiner Quelloffenheit und großen Treiber- und Applikationsentwicklercommunity hierfür am besten und so gründete sich vor zwei Jahren das Xanadux Projekt, dessen erklärtes Ziel es ist, ein produktives mobiles Linux auf HTC-Geräten zum Laufen zu bringen. Die Entwickler arbeiten derzeit an Versionen für die Smartphones Wallaby ( MDA ), Himalaya (MDA II) und Blue Angel (MDA III).


Die Motivation hinter dem Projekt ist nicht nur ideeller Natur: Linux-Fans ärgern sich gemeinhin darüber, dass sich viele Grundfunktionen des Windows Mobile-Systems nicht anpassen lassen. Als Beispiel führt Luke Kenneth Casson Leighton, einer der Entwickler des Xanadux Projekts, die kleinen Tasten auf der Vorderseite des MDA III an: drückt man versehentlich die Explorer-Taste, aktiviert das Smartphone automatisch die GPRS-Konnektivität, was unter Umständen Kosten für den Nutzer verursacht. Der Einbau einer entsprechenden Dialogbox als Absicherung ist mangels Einsichtnahme in den Windows-Quellcode ein Ding der Unmöglichkeit.

Auf der Projekt-Website www.xda-developers.com kann man jederzeit Einblick in den Fortschritt des Xanadux-Projekts nehmen oder sich selbst in den Prozess einbringen. Die Mitglieder beschreiben auch Themen aus der Grauzone des mobilen Computings, geben Tips fürs Unlocking, Software-Upgrades und bieten sogar Hilfestellung beim experimentellen Update von Windows Mobile 5.0. Doch der Fokus des Projekts liegt im vollständigen Verständnis des Systems: Mit Hilfe von minutiösem Reverse Engineering werden in wochenlanger Kleinstarbeit Display- und Powermanagement-Treiber geschrieben. Lorbeeren ernten die Entwickler, die es trotz mangelnder Dokumentation oder Support durch jegliche Hersteller schaffen, Kamera und Speicherkarten anzusprechen.

Mittlerweile sind die Bemühungen um das Blue Angel-Gerät (MDA III) weit fortgeschritten: mit Hilfe eines lauffähigen Linux-Kernels lassen sich bereits Telefonate führen, der Bluetooth-Port ansprechen und GPRS-Verbindungen herstellen. Nicht verwechseln sollte man das Linux-basierte Betriebssystem mit den kommerziellen Varianten von Montavista oder Access/PalmSource. Im wesentlichen handelt es sich hierbei um eine abgespeckte Variante des Desktop-Systems mit vielen selbst entwickelten Treibern. Garantien für die Funktionalität gibt das Xanadux-Projekt selbstverständlich nicht - ganz im Gegenteil: bei einem Systemwechsel kann das Gerät vollständig unbrauchbar werden und die Entfernung von eventuellen Locks auf dem Smartphone widerspricht massiv der vertraglichen Vereinbarung eines deutschen Kunden mit seinem Netzbetreiber.

Mehr Informationen
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» Inoffiziell: Linux auf der Sony PSP
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