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Xandros schluckt Linspire

01.07.2008 | 13:45 Uhr |

Eine lange Geschichte des Scheiterns geht zu Ende: Die nie richtig in die Gänge gekommene kommerzielle Linux-Variante Linspire wird von Xandros geschluckt.

Linspire hatte sich viel vorgenommen. Erst positionierte sich das Unternehmen aggressiv gegen Microsoft, indem es seine Linux-Distribution (die damals technisch auf Debian basierte; mittlerweile ist das eng verwandte Ubuntu die Plattform für Linspire) im Anklang an Windows Lindows nannte. Windows-Anwendern sollte der Umstieg auf Lindows besonders leicht fallen, weil die Oberfläche und die Bedienbarkeit von Lindows stark an Windows erinnerte.

Microsoft fand die Namensähnlichkeit aber gar nicht witzig und versuchte dem jungen Konkurrenten gerichtlich die Benutzung dieses Namens untersagen zu lassen, was aber nur teilweise gelang. Schließlich einigten sich der Software-Gigant und die kleine Linux-Firma auf einen Namenskompromiss, demzufolge aus Lindows Linspire wurde. Danach versuchte Linspire Kunden anzulocken, indem es eine besonders gute Unterstützung von Windows-Programmen unter Linux versprach – die Windows-kompatible Laufzeitumgebung Wine sollte es möglich machen. Doch auch damit konnte Linspire bei den Anwendern nicht punkten. Das kostenpflichtige Linspire mit „Click'n'Run“, dem kommerziellen Nachkaufangebot für Software sowie die kostenlose Linspire-Variante Freespire blieben bis zum heutigen Tag ein absolutes Nischenprodukt. Denn so bekannt Lindows durch den Namensstreit mit Microsoft auch wurde, ein Verkaufserfolg wurde Linspire nicht. Die Masse der Windows-Anwender blieb ihrem gewohnten Betriebssystem treu und wer wirklich ins Linux-Lager wechselte, griff zu einer "echten", freien Linux-Distribution ohne kommerzielle Gängelung. Besonders der Erfolg von Ubuntu dürfte Linspire endgültig einen größeren Markterfolg verwehrt haben.

Mit Xandros, das unter anderem Corel Linux aufgekauft hat, hatte Linspire in der Vergangenheit Rechtsstreitigkeiten. Der Streit wurde schließlich außergerichtlich beigelegt. Und jetzt hat Xandros Linspire aufgekauft, wie man dem für den verantwortlichen Linspire-Chef wenig schmeichelhaften Blogeintrag von Kevin Carmony, dem ehemaligen Vorstand von Linspire, entnehmen kann. Die Aktionäre von Linspire wurden demnach von dem Deal von Linspire-Chef Michael Robertson erst nachträglich schriftlich informiert. Der Verkauf umfasst anscheinend Linspire, das Click'n'Run Warehouse (CNR) und das kostenlose Freespire, eine offizielle Mitteilung der beteiligten Unternehmen lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

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