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Ubuntu 12.10 mit Web-Apps und Amazon-Suche (Update)

19.10.2012 | 08:33 Uhr |

Canonical hat Ubuntu 12.10 Quantal Quetzal zum Download bereit gestellt. Mit Web-Apps-Integration auf dem Desktop und einer Verknüpfung der Dash-Suche mit Amazon.

Update 19.10., 8.45 Uhr: Ubuntu 12.10 Quantal Quetzal steht zum Download bereit . Canonical hat am 18.10. abends den Nachfolger des im April erschienenen Ubuntu 12.04 LTS veröffentlicht. Wir stellen Ihnen die Neuerungen von Ubuntu 12.10 vor.

Web-Apps auf dem Desktop

Ubuntu 12.10 bietet Anwendern die Möglichkeit, bestimmte Online-Dienste wie Facebook, Twitter, eBay sowie Gmail auf dem Desktop als Web-App abzulegen. Diese Web-Apps können dann wie eine Desktop-Anwendung gestartet werden, indem man auf das entsprechende Desktop-Icon klickt. Das geht, ohne dass man eigens dafür den Browser öffnen muss. Stattdessen soll die Webapp das Look & Feel einer Desktop-Anwendung bieten. Bei einigen dieser Webapps werden sogar aktuelle Informationen angezeigt, zum Beispiel bei Gmail die Anzahl der neuen Mails.

Lokale Suche integriert Internet-Treffer

Wer nun auf Ubuntu eine Unity Dash-Suche startet (Unity heißt die Oberfläche von Ubuntu. Sie hat vor einiger Zeit das lange standardmäßig verwendete Gnome ersetzt), bekommt nicht nur lokale Treffer wie Anwendungen oder Dokumente, die auf der Festplatte liegen, angezeigt, sondern auch bestimmte Treffer aus dem Internet. Sofern man zuvor Dienste wie Flickr oder Facebook eingebunden hat, die dann durchsucht werden. In diesem Zusammenhang liefert die Suche aber auch Treffer aus dem Online-Angebot von Amazon mit – ein Versuch von Canonical mit Ubuntu Geld zu verdienen. Denn Canonical verdient prozentual daran, wenn ein Ubuntu-Nutzer über so einen Amazon-Link dann tatsächlich etwas bei Amazon einkauft.

Diese Entscheidung hat Canonical, dem Unternehmen, das Ubuntu entwickelt, viel Kritik eingebracht . Viele Ubuntu-Anwender haben Angst um ihre Privatsphäre und um den Datenschutz. Canonical betont zwar, dass wegen der neuen Suchfunktion keine vertraulichen Anwenderdaten an Amazon gingen, doch ein unangenehmes Gefühl bleibt trotzdem zurück. Canonical hat deshalb in Ubuntu die Möglichkeit eingebaut, die Amazonsuche abzuschalten. Gehen Sie dazu in den Systemeinstellungen zu Privatsphäre und deaktivieren Sie dort die neue Option "Online-Suchergebnisse präsentieren". Danach verschwinden die Werbeeinblendungen. Das Amazon-Icon löschen Sie danach noch von Hand.

Ubuntu One

Wenn wir schon beim Thema „Verknüpfung Desktop und Cloud“ sind: Canonicals Onlinespeicherdienst Ubuntu One ist ebenfalls fest in Ubuntu 12.10 integriert. Das war aber auch schon vorher so. Neu bei Ubuntu One ist allerdings die Unterstützung von MacOS X mittels einer eigenen Client-Anwendung. Damit kann man den Cloud-Dienst mit 5 GB Gratis-Online-Speicher plattformübergreifend auf Linux, Windows, Macs und Androiden sowie iOS-Geräten nutzen.

Ubuntu 12.10 bietet professionellen Nutzern zudem die Möglichkeit, sich per Fernzugriff auf Windows-PCs anzumelden. Und zwar in einem Windows Terminal Server. Eine weitere Neuerung betrifft den Logical Volume Manager (LVM), der nun auch vom grafischen Installationsprogramm unterstützt wird. UEFI Secure Boot unterstützt Ubuntu 12.10 ebenfalls.

Wie bei jedem Ubuntu-Update hat Canonical die mitgelieferte Software aktualisiert, einige Beispiele: Kernel 3.5, Firefox und Thunderbird 16.0.1, Gimp 2.8.2, LibreOffice 3.6.2, PHP 5.4. Der Webserver Apache ist als Version 2.2 mit dabei. Der Dateimanager Nautilus ist aber in der älteren Version 3.4 eingebaut.

Bei der zeitgleich mit der Desktop-Version erscheinenden Server Edition von Ubuntu will Canonical die Bootzeit verkürzt haben. Dazu wurden einige Programme, die selten genutzt werden, aus der Standard-Installationsroutine entfernt.

Wie bei jedem Update gilt: Nicht blind auf die neue Version wechseln. Bei unserem Testrechner empfiehlt Ubuntu bei der Vorgängerversion zu bleiben.
Vergrößern Wie bei jedem Update gilt: Nicht blind auf die neue Version wechseln. Bei unserem Testrechner empfiehlt Ubuntu bei der Vorgängerversion zu bleiben.

Fazit

Wirklich bahnbrechende Neuerungen bietet Ubuntu 12.10 nicht. Wer bereits Ubuntu 12.04 mit Long Term Support installiert hat (für das Canonical fünf Jahre lang Updates und Patches bereit stellen wird), kann sich das Update getrost sparen. Für Ubuntu 12.10 wird Canonical nämlich nur maximal 18 Monate lang Sicherheitsupdates veröffentlichen, der Support für Ubuntu 12.10 endet also im April 2014.

Zudem sollte man eine neue Ubuntuversion nie unmittelbar nach der Veröffentlichung aufspielen, sondern immer erst einige Tage oder Wochen abwarten, ob im Internet Hinweise auf Bugs auftauchen. In der Vergangenheit kam es wiederholt vor, dass nach dem Aufspielen einer neuen Ubuntuversion Probleme mit der Grafikkarte auftraten und der Rechner sich nicht mehr optimal einsetzen ließ (siehe Screenshot). Lesen Sie also in den einschlägigen Linux-Foren nach, ob auch bei Ubuntu 12.10 Probleme auftreten, die Sie betreffen könnten. Und entscheiden Sie dann in aller Ruhe, ob Sie das Update aufspielen.

Download Ubuntu 12.10 Quantal Quetzal

Canonical hat Ubuntu 12.10 in der Desktop- und in der Serverversion hier zum Download bereit gestellt.

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