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Linux-Probleme in München: Alles halb so wild?

12.07.2005 | 11:00 Uhr |

Alles nur halb so schlimm - oder gibt es wirklich ernste Probleme? So genau kann man das derzeit beim Linux-Projekt der Stadt München nicht sagen. Nachdem Medienberichte über unvorvergesehene Verzögerungen die Runde machen, versucht die Projektleitung die Wogen zu glätten. Mit einer aus Politik und Sport leidlich bekannten These: Die Medien seien schuld und würden überzogen berichten.

Medienschelte ist ein bekanntes Phänomen. Fast immer, wenn in Politik, Wirtschaft und Sport etwas schief läuft und Presse, Rundfunk sowie Fernsehen darüber berichten, zeigen die Verantwortlichen mit dem Finger auf die Medien. So ähnlich scheint es derzeit auch in München zu sein. Zumindest behauptet die für den Umstieg auf Linux zuständige Projektleitung, dass nicht etwa die Migrationsprobleme größer seien als geplant, sondern nur die Presse falsch darüber berichte.

In München sollen bekanntlich bis 2008 die bisher mit Windows betriebenen städtischen Desktoprechner auf Linux umgestellt werden ( die PC-WELT berichtete ). Doch die derzeit kursierenden Presseberichte, nach denen sich der Umstieg auf das Open Source-Betriebssystem verzögere, würden einen falschen Eindruck hervorrufen.

Peter Hofmann, der Projektleiter des Münchner Projektes „LiMux“ betont, dass die DPA-Meldung "Münchens Umstellung auf Linux verzögert sich", die auf einen Bericht das Nachrichtenmagazins Focus basiert, einige Aussagen verkürzt wieder gebe. Die Lage beim Linux-Umstieg würde düsterer dargestellt, als es dem Stand der Dinge entspräche.

Die Umstellung des Arbeitsplatz-Betriebssystems sei Hofmann zufolge zwar ein komplexes Vorhaben. Dessen sei sich die Landeshauptstadt München jedoch seit Abschluss der Vorstudie im Jahr 2003 bewusst gewesen. Die Stadt habe deshalb von vornherein eine lange Migrationszeit mit interner und externer Unterstützung geplant. Zudem betont Hofmann, dass auch der ursprünglich alternativ erwogene Umstieg von dem derzeit benutzten älteren Windowssystemen auf Windows XP beziehungsweise dessen Nachfolger mit einem erheblichen Aufwand verbunden gewesen wäre.

Das abschließende Statement von Hofmann klingt dessen ungeachtet wie eine Durchhalteparole: "Wir im Projekt LiMux gehen, trotz der anfänglichen Verzögerungen durch die Softwarepatentrichtlinie und bei der Ausschreibung von Unterstützungsleistungen für den zukünftigen Basis-Clients, weiterhin davon aus, dass die mittlerweile vorhandene externe und interne Unterstützung und vor allem die motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung wesentlich zum Projekterfolg innerhalb des geplanten Zeitrahmens bis Ende 2008 beitragen werden."

Anlass für diese Stellungnahme der Stadt München war ein Bericht in der Printausgabe des Focus, demzufolge sich die Umstellung von Windows auf Linux bereits länger hinziehe als geplant. So würde die Stadt München derzeit vier bis fünf Monate hinter ihrem Zeitplan hinterherhinken. "Die IT-Strukturen der Stadtverwaltung seien viel komplexer als erwartet", zitiert die Deutsche Presseagentur Florian Schießl, den stellvertretende Leiter des Projekts.

Bleibt zu hoffen, dass der Umstieg von Windows auf Linux mit Hilfe der "motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung" tatsächlich zu einem Erfolg wird. Andernfalls dürfte sich Microsoft in seiner monopolähnlichen Stellung bei Desktop-Rechner bestärkt sehen.

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