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Lightfleet verbindet Server-Chips über Laserstrahlen

02.03.2007 | 11:11 Uhr |

Das Start-up Lightfleet will im nächsten Sommer neuartige Server auf den Markt bringen, deren Prozessoren sich über Laserstrahlen miteinander "unterhalten".

Die Maschinen werden 32 Dual-Core-Prozessoren von Intel verwenden. Speziell in solchen Systemen mit vielen Prozessor(kern)en bilden herkömmliche Architekturen und Kommunikationsverfahren oft "Flaschenhälse", die den Rechner bei seiner eigentlichen Arbeit ausbremsen.

Lightfleet, das in Camas im US-Bundesstaat Washington sitzt, will diese Bottlenecks dadurch verhindern, dass es die einzelnen Chips über Laser untereinander verbindet. Und zwar anders als bislang gewohnt über Glasfaserleitungen, die zusätzliche Schalttechnik und Software benötigen. Stattdessen schickt Lighfleet die Laser-Impulse einfach über Linsen und Spiegel durch die Luft.

Dabei werden Messages von jedem Prozessor (oder eine beliebigen Kombination von CPUs) simultan an alle anderen übertragen. Der Empfänger jedes Chips greift dabei nur die für ihn bestimmten Nachrichten ab, dies ermöglichen spezielle Adressierungsinformationen, die mit den Lichtsignalen übertragen werden. Laut Bill Dress, Wissenschaftler bei Lightfleet und Miterfinder der Technik, ist dieses Design besonders effizient für "All-to-all"-Messages innerhalb des Systems.

Der Gartner-Analyst Jeffrey Hewitt zeigte sich gegenüber dem "Wall Street Journal" von der Idee begeistert: "Es gibt keine Traffic-Probleme und kollidierenden Messages", sagt der Experte. "Ich denke, das ist sehr interessant." Allerdings sei es eine Herkulesaufgabe für Lightfleet, den Markt von einer so ungewohnten Technik zu überzeugen. Um deren Vorteile voll auszunutzen, müssten womöglich auch die Anwendungsprogramme umgeschrieben werden.

Steve Scott, Chief Technology Officer beim Supercomputerbauer Cray, hält hingegen nichts von Lightfleets Konzept. Aus seiner Sicht verteilen konventionelle elektronische Verbindungen in Servern Daten bereits hinreichend; die eigentlichen Flaschenhälse rührten von den Pins an Chips her, die den Empfang und Versand von Daten limitierten. Es sei daher fraglich, so Scott, ob Laser-Verbindungen einen Mehrpreis wert seien.

Trotzdem gibt es bereits Forscher, die schon sehr gespannt auf Lightfleets Rechner sind - zum Beispiel am College of Oceanic und Atmospheric Sciences der Oregon State University. Dort kombinieren große Rechner Daten aus einem Sensorennetz, um komplexe Phänomene zu modellieren. Speziell für solche komplizierten Berechnungen bildet die Kommunikation zwischen Prozessoren eine Beschränkung, sagt Charles Sears, Manager of Research Computing. Zusammen mit seinem Dekan Mark Abbott erklärte er nach einem Briefing zur Neuentwicklung von Lightfleet: "Wir finden, das klingt sehr spannend."

Die Homepage von Lightfleet verrät leider noch nicht allzu viel über das Start-up. Allerdings finden sich einige sehr interessante Namen unter den Managern und Entwicklern - zum Beispiel der frühere Tandem-Chef Roel Pieper oder der ehemalige Sun-Marketing-Chef Chris Kruell. (tc)

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