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Wikipedia kämpft mit Autorenmangel

22.03.2011 | 09:19 Uhr |

Dem beliebten Online-Lexikon Wikipedia geht der Nachwuchs aus. Die Stamm-Autoren machen es laut einer Studie Neu-Einsteigern zu schwer, dauerhaft Bestandteil der Wikipedia-Autorenschaft zu werden.

Wikimedia, der Verein, der Wikipedia trägt, hat die Ergebnisse einer Editor Trends Study veröffentlicht (die Studie untersuchte die Wikipedia-Versionen für Englisch, Deutsch, Russisch, Französisch und Japanisch). Demnach hat Wikipedia weltweit immer mehr Leser, monatlich nutzen mehr als 400 Millionen Menschen die Wikimedia-Projekte. Das Online-Lexikon, das wesentlich dazu beitrug, dass Microsofts Encarta als Lexikon-DVD vom Markt verschwunden ist und der Brockhaus-Verlag ins Trudeln geraten ist und schließlich sogar an Bertelsmann verkauft wurde, erfreut sich also nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Auch das Spendenaufkommen wächst, wodurch die finanzielle Lage von Wikipedia gesichert ist.

Etwas anders stellt sich allerdings die Lage bei den Autoren dar. Die Studie stellt nämlich fest, dass es „zwischen 2005 und 2007 für Neulinge wirklich schwer wurde, erfolgreich Teil der Wikimedia-Gemeinschaft zu werden.“ Vor dem Jahr 2005 waren demnach in der englischsprachigen Wikipedia fast 40 Prozent der neuen Autoren ein Jahr nach ihrer ersten Bearbeitung immer noch aktiv. Nach 2007 hielten aber nur noch 12 bis 15 Prozent der neuen Autoren mindestens ein Jahr lang durch. Interessenten gäbe es ausreichend, wie die Studie feststellt, nur scheitern viele der Neulinge eben daran, sich in die Wikipedia-Gemeinschaft zu integrieren. Doch es werden nicht nur immer weniger Neu-Autoren zu Stamm-Autoren, auch der Anteil der Neulinge unter allen Autoren sinkt immer mehr. Der Autorengemeinde von Wikipedia fehlt es also an der nötigen Durchblutung um frischen Wind reinzubekommen.

Die Studie nennt auch die vermutlichen Gründen dafür, dass immer weniger neue Autoren dauerhaft Mitglied von Wikipedia werden. So gäbe es einen „Ewigen-September-Effekt“: „die bestehende Gemeinschaft bemüht sich um die Integration der Neulinge, versucht sich aber gleichzeitig ihre eigene Funktionsfähigkeit zu erhalten. Sie entwickelt dazu Selbsterhaltungs- und Selbstverteidigungsmechanismen; …unter anderem (teil-)automatisierte Wiederherstellungen, Löschungen, Benachrichtigungen und Warnungen an Neulinge sowie komplexe Regeln und Verfahrensabläufe.... Diese haben es Neulingen auch zunehmend erschwert, sich bei uns einzubringen“.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Wikipedia den Spaß am Bearbeiten wieder steigern sollte. Und zwar ohne die Qualität zu gefährden.

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