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Leuchtendes Plastik

23.09.2005 | 17:51 Uhr |

Organische Displays arbeiten energiesparender als herkömmliche Flüssigkristall-Monitore und geben brillantere Bilder wieder. Schon bald könnten OLEDs in TV-Größe im Wohnzimmer stehen und als biegsame Foliendisplays in der Jackentasche stecken.

Taschenlampen mit LEDs (light-emitting diode) sind in jedem Supermarkt erhältlich. In der Unterhaltungselektronik gewinnt die organische Variante (OLED, organic light-emitting diode) überall dort zunehmend an Bedeutung, wo leuchtstarke Minidisplays gefragt sind. Hierzu zählen beispielsweise Autoradios, Mobiltelefone und MP3-Player. Bereits Ende der 70er-Jahre machte der Wissenschaftler Ching Tang in den Kodak-Labors eine interessante Entdeckung: Einige halbleitende Kunststoffe leuchten, wenn Strom durch sie hindurchfließt. Inzwischen ist die Technik marktreif.

Displayherstellung

Um Displays anzufertigen, dampft OLED-Pioneer Kodak im Vakuum kleine organische Moleküle (small molecules) auf einen Halbleiter auf (SM-OLED). Bei diesem Verfahren handelt es sich um die derzeit dominierende Technik. Sollen mehrere Farben kombiniert werden, müssen die entsprechenden Farbstoffe mit Masken präzise positioniert werden. Eine andere Technik hat das englische Unternehmen Cambridge Display Technology entwickelt. Die Firma setzt langkettige Kunststoffe (Polymere) ein. Diese Polymer-OLEDs (PLED) lassen sich in einer Flüssigkeit (gelöst wie Leuchttinte bei Tintenstrahldruckern) preiswert auf eine Unterlage aufbringen. Bevor großformatige und langlebige Displays in großen Mengen in die Läden kommen, gilt es allerdings noch Fertigungsprobleme zu lösen. Feuchtigkeit und Sauerstoff sind Gift für die organischen Substanzen in den aktiven Schichten von OLEDs. Werden die Farbstoffe nicht zwischen Glasschichten vor Wasser- und Sauerstoffmolekülen geschützt, hält der Farbzauber nur für wenige Stunden. Seitlich darf ebenfalls keine Feuchtigkeit eindringen, weshalb die Hersteller zusätzlich eine Barriere aus Trocknungsmitteln errichten. Ebene Displays lassen sich auf diese Weise gut gegen schädliche Einflüsse panzern. Künftig sind selbst gewölbte Bildschirme denkbar: Der Hersteller Schott kann Dünnstglas bis zu 50 Millionstel Millimeter Durchmesser herstellen, mit einem Biegeradius von zwölf Millimetern. Damit könnte das Material etwa um einen Träger von der Dicke einer Leuchtstoffröhre gewickelt werden.

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