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Letsbuyit: Konkurs abgewendet?

25.01.2001 | 16:23 Uhr |

Die Ameise aus Holland scheint zäher zu sein, als Börsenexperten es für möglich hielten. Denn überraschend zogen die Konkursverwalter von Letsbuyit ihren Konkursantrag zurück. Ein Ex-Hacker aus München steigt in das marode niederländische Unternehmen ein.

Die Ameise aus Holland scheint zäher zu sein, als Börsenexperten es für möglich hielten. Denn überraschend zogen die Konkursverwalter von Letsbuyit ihren Konkursantrag zurück. Ein Ex-Hacker aus München steigt in das marode niederländische Unternehmen ein.

Am 25. Januar sollte das Landgericht Amsterdam über den Konkursantrag entscheiden. Danach wäre eines der bekanntesten Internet-Startups nur noch Geschichte gewesen. Doch überraschend scheint die Wende gekommen zu sein.

Denn einen Tag vor Ablauf der Galgenfrist konnten Verhandlungen über eine Finanzspritze in Höhe von rund acht Millionen Mark erfolgreich abgeschlossen werden, wie die Konkursverwalter mitteilten. Die Summe stammt von Alt- und Neuinvestoren. Der Hammer ist jedoch die Ankündigung, dass bis zu 100 Millionen Mark für die Rettung des angeschlagenen Powershopping-Unternehmens bereit stünden.

Dieser enorme Betrag wurde von der deutschen Start-Up Factory und Venture Capital-Firma Kimvestor AG zugesichert. Kimvestor habe in einem Letter of Intent die Bereitschaft verkündet, sich massiv an der Finanzierung von Letsbuyit beteiligen zu wollen. Bis Ende Februar sollen die genannten 100 Millionen in das niederländische Startup investiert sein. Auch von den sofort zur Verfügung stehenden acht Millionen Mark stammt ein Teil von diesem deutschen Investor. Bis Ende Januar soll ein entsprechender Vertragsentwurf ausgearbeitet sein. Doch sind schon vor Februar weitere Finanzmittel zur Finanzierung des laufenden Geschäfts erforderlich, da am 31. Januar der von einem Gericht in Amsterdam gewährte Gläubigerschutz ausläuft. Deshalb bemüht man sich bei Letsbuyit um weitere finanzielle Soforthilfen.

Das Problem dieses "Letter of Intent": Er ist eine rechtlich nicht bindende Bereitschaftserklärung, wie "Börse Online" betont! Denn sowohl die acht Millionen Mark Soforthilfe wie auch die Großinvestition von 100 Millionen Mark sind noch nicht eingegangen. Die Investoren könnten es sich jederzeit wieder anders überlegen. Durch diese Ankündigung konnte das Amsterdamer Gericht zwar dazu gebracht werden, die "Konkurseröffnung für einige Tage zu verschieben. Phantasien über einen Neuanfang sind jedoch nicht angebracht". Denn Kimvestor sei schon der vierte Name, der als möglicher Retter ins Gespräch gebracht werde, wie Börse Online fortfährt.

Der Gründer von Kimvestor ist kein unbeschriebenes Blatt. Der extrovertierte Kim Schmitz hat sich in den 90er-Jahren als Hacker einen Namen gemacht, als er der Nasa, dem Pentagon und der Citibank unerwünschte "Besuche" via Internet abstattete. Mit den darin gemachten Erfahrungen gründete Kim Schmitz 1997 die Datensicherheitsfirma Data Project. Im Januar 2000 verkaufte Schmitz 80 Prozent dieser Firma an den TÜV Rheinland und gründete stattdessen die Kimvestor AG.

Doch schwer durchschaubare Nebelschwaden umhüllen die Firma Kimvestor. Unternehmenszahlen seien nicht zu bekommen, stattdessen heißt es, dass die firmeneigene Website "zu dem meistbesuchten der Welt" gehöre. Schmitz liebt die große weite Welt. Auf seiner eigenen Homepage zeigt er sich am liebsten im Umfeld von Formel-1-Rennen, bei der Jagd, auf teueren Yachten, oder im - vorgeblich - eigenen Jet. Und mit sichtlichem Stolz wird auf mehreren Web-Seiten der S-Klasse-Mercedes vorgeführt. Doch erreichbar ist der Firmenboss nur per Mail. Anrufe werden von Mitarbeitern entgegengenommen, die eigentlich für andere Unternehmen tätig sind - so Börse Online. Das Börsenmagazin glaubt daher nicht an eine weitere Zukunft für Letsbuyit.com.

LetsBuyIt.com-Chef John Palmer ist hingegen nun zuversichtlich, dass seine Firma die "schwierige Phase" erfolgreich überstehen würde. Dazu tragen nicht nur die Investitionszusage von Kimvestor bei, sondern auch die Umsatzzahlen. Über 35 Millionen Mark konnten anscheinend im vierten Quartal von erwirtschaftet werden, der Gesamtumsatz soll im zurück liegenden Jahr bei über 75 Millionen Mark liegen. Im Jahr zuvor habe sich Letsbuyit noch mit weniger als fünf Millionen Mark zufrieden geben müssen.

"Der Betrag wird uns in die Lage versetzen, weitere Verhandlungen zur langfristigen Rettung des Unternehmens zu führen", erklärte Palmer. Denn Angaben von Letsbuyit zufolge ist ein noch höherer Betrag zur endgültigen Rettung erforderlich: Von bis zu 160 Millionen Mark war die Rede, um die klammen Niederländer bis 2002 in die Gewinnzone zu führen.

Die Börse zeigte sich sichtlich beeindruckt und ließ den Kurs der Letsbuyit.com -Aktie um 92 Prozent auf stolze 50 Cent steigen. Ob es sich hierbei nur um Zweckoptimismus handelt, oder Letsbuyit tatsächlich eine neue Zukunft bevor steht, muss sich nun zeigen. Für die Niederländer kommen nun die Tage der Wahrheit. (PC-WELT, 25.01.2001, hc)

Let's buy it

www.boerse-online.de

www.kimble.org

Ende des Co-Shoppings? (PC-WELT Online, 17.10.2001)

LetsBuyIt: Stufenpreise verboten (PC-WELT Online, 25.07.2000)

Erfolgreicher Börsenstart für LetsBuyIt (PC-WELT Online, 21.07.2000)

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