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Leichen-Souvenirs bei eBay & Co.

13.10.2000 | 11:22 Uhr |

In den USA blüht der Handel mit den so genannten "Murderabilia". Diese Verbrechensandenken werden vor allem im Internet angeboten - in Auktionshäusern wie eBay. Die Angehörigen von Opfern sind empört, aber machtlos. Denn immer wieder gestatten Gerichte den Verkauf der merkwürdigen Memorabilien.

Fotos von blutverschmierten Tatorten, ein handgeschriebener Brief von einem Killer, Haare vom Kopf des berüchtigten Charles Manson - all dies gibt es online für ein paar Dollar.

Der Online-Versteigerer eBay entschied sich jetzt, die Toleranzschwelle ein wenig zu erhöhen. Ein Anbieter machte auf der Auktions-Seite Geschäfte mit den Fotos eines dreifachen Kindermords. Die grausigen Bilder der getöteten Jungen im Leichenschauhaus sowie Polizeiaufnahmen aus dem Haus, in dem der Mord geschah, fanden durchaus Interessenten. Mindestens eins der Bilder wurde verkauft, bevor eBay einschritt und den weiteren Handel verbot.

Für zehn US-Dollar (rund 22 Mark) verkaufte unlängst eine eBay-Anbieterin unter dem Pseudonym "Kate loves Crime" einen Brief des Serienmörders Jerome Brudos. Für zwölf US-Dollar ersteigerten Manson-Fans eine Locke des geisteskranken Kultanführers; eine von ihm angefertigte Zeichnung wird zurzeit für 600 US-Dollar angeboten. Für 14,95 US-Dollar können Neugierige ein Videoband kaufen, dass den Tatort des Schulmassakers von Littleton in Colorado zeigt.

In Zukunft will das größte Internet-Auktionshaus nach Angaben seines Pressesprechers Kevin Pursglove nun von Fall zu Fall prüfen, ob ein erneutes Einschreiten nötig ist. Dies ist ein kleiner Sieg für Angehörige von Verbrechensopfern, die sich in Selbsthilfegruppen wie den "Parents of Murdered Children" (Eltern ermordeter Kinder) organisiert haben.

Aber auch bei yahoo.com finden sich angeblich echte, von Charles Manson persönlich geschriebene Postkarten, zum Preis von 1.500 US-Dollar.

Ein besonders energischer Gegner des Murderabilia-Handels ist der texanische Anwalt Andrew Kahan. Er berichtet auf Vortragsreisen im ganzen Land über die Grusel-Andenken. "Aus der Perspektive eines Verbrechensopfers kann ich mir nichts Ekel erregenderes vorstellen", meint Kahan.

Oft aber müssen Aktivisten wie der Texaner Niederlagen erdulden, denn ein generelles Verkaufsverbot für die geschmacklosen Andenken verstößt nach Meinung amerikanischer Bürgerrechtler gegen das Verfassungsrecht auf freie Meinungsäußerung. (PC-WELT, 13.10.2000, dpa/ mp)

eBay stoppt Auktion (PC-WELT Online, 19.09.2000)

eBay stoppt Versteigerung der eigenen Domain (PC-WELT Online, 24.05.2000)

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