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Ein Drittel der Schüler schummelt per Handy

27.06.2009 | 14:54 Uhr |

Der Siegeszug moderner Kommunikationstechnologien bei Jugendlichen stellt die Verantwortlichen im Bildungssektor vor eine Reihe neuer Herausforderungen. Vor allem das Handy, das mittlerweile zu einem ständigen Begleiter der jüngeren Generation geworden ist, entpuppt sich dabei als zunehmendes Problem.

Neben der störenden Nutzung im Unterricht wird es von den Schülern nämlich auch immer öfter dazu eingesetzt, um bei Prüfungen zu schummeln. Wie die US-Non-Profit-Organisation Common Sense Media aktuell feststellt, missbrauchen in den Vereinigten Staaten inzwischen bereits rund 35 Prozent der Middle- und High-School-Schüler ihr Mobiltelefon für derartige Zwecke. Als besonders alarmierend wird dabei der Umstand gesehen, dass beinahe ein Viertel der Schulkinder mit diesem Vorgehen keinerlei Probleme zu haben scheint und es nicht bewusst als Betrug empfindet.

"Das Problem des Schummelns ist keinesfalls neu. Durch moderne Kommunikationstechnologien haben sich aber den Schülern in dieser Hinsicht viele neue Möglichkeiten eröffnet", erklärt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes ( DL ), gegenüber pressetext. Die Lehrerschaft sei sich dieser Möglichkeiten aber durchaus bewusst und habe bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen, um Mogelversuche zu verhindern. "Handys sind bei Prüfungen generell nicht erlaubt und müssen bereits zu Beginn der betreffenden Unterrichtsstunde auf dem Lehrerpult abgegeben werden. Wer dennoch versucht zu schummeln, riskiert, die schlechteste mögliche Note zu bekommen", schildert Kraus. In Anbetracht dieser strengen Regelung sei es nicht verwunderlich, dass solche Vergehen in Deutschland bislang eher selten vorkommen würden. "Angesichts des hohen Risikos ist die Bereitschaft zu schummeln bei den Schülern in der Regel eher gering. Was die verschiedenen Mogelarten betrifft, sind zudem die alten Methoden immer noch die beliebtesten", erläutert Kraus.

Laut der von Common Sense Media vorgelegten Untersuchung halten 41 Prozent der US-Schüler der siebenten bis zwölften Schulstufe das Speichern von bestimmten Notizen auf einem Handy, die im Fall einer Prüfung schnell eingesehen werden können, für ein "ernsthaftes Schummel-Vergehen". Rund 23 Prozent sehen in einem entsprechenden Vorgehen aber keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Gleichzeitig gaben 45 Prozent der Befragten an, dass sie das Verschicken von Textnachrichten mit Prüfungsantworten eindeutig als Betrug empfinden würden. An die 20 Prozent haben in dieser Hinsicht keinerlei Bedenken. "Das mangelnde Unrechtsbewusstsein ist sicher ein Problem. Hier ist es aber auch Sache der Eltern, ihre Sprösslinge beim Erwerb eines Handys darüber aufzuklären, wofür sie es verwenden dürfen und wofür nicht", meint Kraus.

"Diese Ergebnisse sollten ein Weckruf für Lehrer und Eltern sein", ermahnt James Steyer, CEO und Gründer von Common Sense Media. Mobiltelefone und Internet hätten die Bedingungen im Bildungssektor grundlegend über den Haufen geworfen und gewissermaßen als "unbeabsichtigte Konsequenz" auch das Schummeln wesentlich vereinfacht. "Die Forderung ist klar: Eltern und Lehrer müssen sich stärker damit auseinandersetzen, wie Kinder heute Technologien für Schummelzwecke nutzen und ihnen klipp und klar zu verstehen geben, dass sie mit ernsthaften Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie beim Mogeln erwischt werden", so Steyer. (pte)

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