Legaler Musikhandel per Internet bricht ein

Montag den 04.11.2002 um 13:41 Uhr

von Markus Pilzweger

Im Vergleich zum letztem Jahr musste der Online-Musikhandel im dritten Quartal 2002 einen Rückgang um 39 Prozent hinnehmen. Schuld sind einer Studie zufolge vor allem Internet-Tauschbörsen und illegale CD-Kopien.

Im Vergleich zum letztem Jahr musste der Online-Musikhandel einer Studie von "comScore Media Metrix" zufolge im dritten Quartal 2002 einen Rückgang um 39 Prozent hinnehmen. Schuld seien die steigende Nutzung von Peer-to-Peer-Börsen sowie illegale Kopien von CDs.

Der enorme Rückgang im Online-Handel mit CDs und anderen physikalischen Medien könnte sich für die Musikindustrie zu einem ernst zu nehmenden Problem ausweiten. Der Kampf gegen frei verfügbare Musik im Internet wäre derzeit als verloren zu werten. Des weiteren beunruhigt die zunehmende Geschwindigkeit, mit der die Verkaufszahlen gen Keller rasen.

So verzeichnete der Handel im ersten Quartal 2002 einen Rückgang um 12 Prozent, im zweiten Quartal um 28 Prozent und um weitere 39 Prozent im dritten Quartal. Demzufolge fielen auch die Umsatzerlöse der ersten drei Quartale im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent (von 730 Millionen Dollar auf aktuell 545 Millionen).

Tauschbörsen wie Kazaa oder Morpheus profitieren hingegen von der schwächeren Nachfrage. Tummelten sich im Juni 2001 noch weniger als eine Million US-Bürger in diesen Diensten, stieg die Nutzerzahl bis März 2002 bei Kazaa auf 5,8 Millionen Personen und bei Morpheus auf 7,2 Millionen Mitglieder an.

Die wachsende Beliebtheit dieser Dienste ist der Musikindustrie, vertreten durch die Recording Industry Association of America Inc. (RIAA), nicht verborgen geblieben. So wurden in den letzten Monaten diverse Prozesse gegen illegale Verbreitung von Musiktiteln geführt und Kampagnen gegen die Nutzung von Tauschbörsen betrieben. Genutzt hat es bisher allerdings wenig. Wie die RIAA im August 2002 mitteilte, ging der Absatz von CDs im ersten Halbjahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zurück.

Anlässlich der Präsentation dieser Zahlen meinte RIAA-Präsident Cary Sherman: "Zusammengefasst sollten diese Daten jede Auffassung widerlegen, die besagt, dass Filesharing der Musikindustrie hilft."

Gerade der Einbruch im Online-Handel macht der RIAA zufolge Sinn. So zeigt eine Untersuchung der Organisation, dass sich 35 Prozent aller jungen Online-Nutzer, die sich für Musik interessieren, vor dem Kauf eines neuen Titels das Stück kostenlos im Internet besorgen.

Musik-Downloads: Jeder Zweite wäre bereit zu zahlen (PC-WELT Online, 30.10.2002)

Montag den 04.11.2002 um 13:41 Uhr

von Markus Pilzweger

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