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Legaler Handel mit MP3

23.10.2000 | 10:10 Uhr |

Der illegale Handel von Musikstücken über das Internet hat der internationalen Musikindustrie bereits Ausfälle in Milliarden-Höhe bereitet. Doch nun wollen auch die großen Musik-Konzerne selbst das Kompressionsverfahren nutzen.

Der illegale Handel von Musikstücken über das Internet hat der internationalen Musikindustrie bereits Ausfälle in Milliarden-Höhe bereitet. Doch nun wollen auch die großen Musik-Konzerne selbst das Kompressionsverfahren für den legalen Handel im weltweiten Datennetz nutzen.

"Wir machen es den Leuten wirklich schwer, legal an Musik im Netz zu kommen", sagte Andreas Schmidt von der Bertelsmann e-commerce Group. Untersuchungen hätten belegt, dass zum Beispiel 76 Prozent der Nutzer der umstrittenen Internet-Tauschbörse Napster für Musikstücke zahlen würden, wenn sie legal und in guter Qualität angeboten werden würde.

"Der Austausch digitaler Musikstücke ist nicht aufzuhalten", sagte Schmidt. Die Industrie müsse jetzt mit eigenen attraktiven Angeboten an die Kunden herantreten, um Anbietern wie Napster, Gnutella und Co. den Rang abzulaufen.

Mittlerweile haben alle großen internationalen Musikkonzerne das Internet als Handelsplattform im Visier und bieten häufig selbst Musik im MP3-Format an. Im Streit mit Online-Anbietern, die zum Teil in dem Ruf standen, illegale Geschäfte zu machen und gegen Urheberrechte zu verstoßen, sind unterdessen Einigungsmöglichkeiten in Sicht.

Die Bertelsmann-Tochter BMG Entertainment lotet derzeit unter der Internet-Adresse www.musicdownload24.de, den kommerziellen Nutzwert des Kompressionsverfahrens MP3 aus. Die Frage ist, inwieweit die Kunden nach dem "Wildwuchs" der Online-Angebote bereit sind, für legal angebotene Musik zu zahlen.

BMG bietet rund 300 Titel für 50 Pfennig bis zu fünf Mark entweder zum einmaligen Hören oder zum Erwerb inklusive zusätzlichem Service wie Lied-Texte, Fotos oder Biografien an. In der vergangenen Woche hatte die Warner Music Group den Start eines Download-Dienstes für digitale Musik angekündigt. Das Unternehmen will noch in diesem Jahr digitale Kopien aktueller Stücke im Internet vertreiben.

Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft in Hamburg schätzt die Einbußen durch illegal vertriebene Musikstücke auf 140 Millionen Mark allein im Jahr 1999. (PC-WELT, 21.10.2000, dpa/ mp)

PC-WELT Report: Alles was Sie über MP3 wissen müssen

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