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Lauschangriff auf die Tastatur

16.09.2005 | 15:35 Uhr |

Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um aus den Tastaturgeräuschen auf den Text zu schließen.

Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley haben einen Weg gefunden, wie sie aus den Geräuschen, die bei der Benutzung der Tastatur entstehen, darauf schließen können, was eingegeben wird. Erforderlich ist allerdings ein ungefähr zehn-minütiges Training der Erkennungs-Software.

Nach dieser Lernphase erkennt das Programm etwa 96 Prozent der eingegebenen Texte. Die Wissenschaftler um den Informatik-Professor Doug Tygar haben festgestellt, dass jede Taste auf einer gegebenen Tastatur ein wenig anders klingt. Die Tastaturunterlage, etwa die Tischplatte, dient als Resonanzkörper, durch den je nach angeschlagener Taste ein etwas anderer Ton entsteht. Bereits mit einem billigen Mikrofon für zehn Dollar und einer Rechtschreibprüfung aus dem Fundus von Open-Source-Software sind so gute Erfolge möglich.

Die Technik hinter der Erkennung basiert auf der in jahrelanger Forschung weiter entwickelten Theorie des statistischen Lernens. Die Ergebnisse der Analyse werden dann mit Rechtschreib- und Grammatik-Korrektur verfeinert. Es soll nach Angaben der Forscher keinen Unterschied machen, ob jemand im Ein-Finger-Suchsystem oder mit allen zehn Fingern tippt.

Allerdings bleiben noch einige Probleme zu lösen. So kann bislang nicht erfasst werden, ob zusätzliche Tasten wie die Umschalt-Taste, "Strg" oder "Alt" gedrückt werden. Die Analyse funktioniert bisher auch nur in englischer Sprache. Andererseits ist es bereits möglich kurze Passwörter, auch solche aus sinnlosen Zeichenkombinationen, mit einer recht guten Trefferquote zu erkennen.

Die Forscher sehen eine gewisse Gefahr, dass diese Methode auch für Lauschangriffe genutzt werden kann. Sie haben sich daher entschlossen die Quellttexte der verwendeten Software nicht zu veröffentlichen. Die von einem Lauschangriff ausgehende Gefahr des Ausspähens vertraulicher Informationen könnte denen ein gutes Argument liefern, die gerne Musik am Arbeitsplatz hören. Denn ein hoher Pegel von Hintergrundgeräuschen dürfte die Erkennungsrate deutlich beeinträchtigen.

Professor Tygar will seine Forschungsergebnisse im November auf einer Konferenz in Virgina vorstellen. Eine Vorabversion ist unter dem Titel "Keyboard Acoustic Emanations Revisited" als PDF-Datei erhältlich.

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