125286

Läuft Windows bald auf Mac-Rechnern?

16.06.2005 | 10:43 Uhr |

Noch ist es Zukunftsmusik: Sie haben sich von einem Bekannten dessen Mac-Rechner ausgeliehen, starten den Mac - und Windows begrüßt Sie. Ohne Emulation, direkt aufgesetzt über der Hardware-Ebene. Was eingefleischten Mac-Anwendern die Haare zu Berge stehen lässt, könnte vielleicht bald Realität werden.

Apple setzt bekanntlich IBM vor die Tür und bezieht seine Prozessoren bald von Intel ( die PC-WELT berichtete ). Doch welche Auswirkungen hat das auf die Betriebssystemebene? Läuft vielleicht bald Windows ohne Emulation auf einem Mac? Darüber spekulieren derzeit die amerikanischen Medien.

Bisher standen sich ganz klar zwei Lager gegenüber: Der marktbeherrschende Wintel-Block mit Windows, Intel (und AMD) sowie die kleine aber feine Welt der Mac-Anwender. Mit Chips von IBM und dem auf Unix basierenden Mac OS. Doch mit dem von Apple-Chef Steve Jobs verkündeten Wechsel bei der Prozessorstruktur könnten die Grenzen völlig verschwimmen und Windows auf Mac-Rechnern laufen.

Apple will US-Medienberichten zufolge zwar keinerlei Maßnahmen ergreifen, die den Einsatz von Windows auf den künftigen Mac-Maschinen mit Intel-CPUs ausdrücklich unterbinden sollen. Ob es allerdings technisch überhaupt möglich sein wird, Windows ohne Emulatoren oder virtuellen Maschinen direkt auf dem Mac zu installieren, steht derzeit noch in den Sternen.

Apple könnte damit vielleicht neue Kunden gewinnen: Windows-Nutzer, die aus welchen Gründen auch immer (Firmen-Image, Design der Rechner) zwar lieber an einem Mac als an einem PC sitzen möchten, dabei aber nicht auf ihr gewohntes Windows verzichten wollen. Möglicherweise könnte Apple damit sogar in bislang unbesetzte Bereiche vordringen und seine Macs auch als Desktop-Rechner an Firmen verkaufen. Und damit einen neuen Markt erobern, der bisher - von einigen wenigen Bereichen wie der Medienbranche einmal abgesehen – von Windows-PCs beherrscht wird.

Wie schon gesagt, Mac dementierte bisher die Möglichkeit des direkten Windowseinsatzes auf Macs nicht. Brian Croll, Apple-Direktor für Software-Produkt-Marketing: "Apple hat nicht die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen. Aber wir planen auf der Hardwareseite nichts, was Windows davon abhalten könnte, auf unseren künftigen Maschinen zu laufen". Aus Microsoft-nahen Kreisen soll zudem zu hören sein, dass man sich in Redmond durchaus darüber Gedanken macht, wie man Windows auf die kommende Hardware-Plattform von Apple transformieren könnte.

Den Gedanken des hardwareübergreifenden Betriebssystemeinsatzes kann man noch weiter spinnen. Was spricht denn dagegen, künftige - an Intel-CPUs angepasste - Versionen von Mac OS X auch auf PCs einzusetzen und Lizenzen für das Apple-Betriebssystem an PC-Hersteller zu verkaufen? Bisher soll Apple diesbezüglich aber noch keine Pläne haben.

Sollten Windows und Mac OS tatsächlich einmal auf derselben Hardware-Plattform laufen, so könnten sich Anwender künftig die beiden Betriebssysteme parallel im Dualboot installieren, wie es jetzt schon mit Windows und Linux möglich ist. Dafür müsste aber erst ein Treibermodell für Windows auf Mac-Maschinen entwickelt werden und das BIOS bedürfte sicher auch einiger Anpassungen. Dafür müsste Apple aber Microsoft tiefe Einblicke in seine Hardware-Architektur gewähren.

0 Kommentare zu diesem Artikel
125286