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Ländercodes für MP3

30.11.2000 | 16:07 Uhr |

In den USA wurde ein Patent erteilt, mit Hilfe dessen sich die Nutzung von MP3-Dateien einschränken lässt. Diese Technologie, die ähnlich wie ein Ländercode bei DVD-Playern wirkt, könnte die weltweite Verbreitung von legalen MP3-Songs stark behindern.

In den USA hat die Firma Liquid Audio (siehe Glossar) ein Patent für eine Technik erhalten, die der weltweiten Verbreitung von legalen MP3-Songs schwer zusetzen kann. Ähnlich dem Ländercode-Prinzip, das mittlerweile erfolgreich bei DVDs eingesetzt wird, sollen in Zukunft auch MP3-Dateien für bestimmte Länder gesperrt werden können.

Die Technik soll anhand der jeweiligen IP-Adresse (siehe Glossar) des Anwenders, Domain-Datenbankabfragen und weiterer Algorithmen den Standort des Nutzers bestimmen können. Auf diese Weise könnte zum Beispiel einem Nutzer in Deutschland der Zugriff auf eine MP3-Datei verwehrt werden, wenn diese auf einer amerikanischen Seite angeboten wird und nur für den amerikanischen Markt bestimmt ist.

Die Eigentümer der Rechte an einzelnen Musiktiteln oder Songs können ihre Rechte damit leichter schützen. Denn die Verwertungsrechte von Musikstücken liegen je nach Land oft bei anderen Firmen oder Personen.

In Zukunft könnte zum Beispiel der neueste Song einer Band nicht mehr für alle Nutzer zugänglich sein, sondern lediglich für diejenigen, die in Frankreich oder Deutschland leben. Allen anderen Interessierten bliebe der Zugang verwehrt, bis der Song auch in dem Land oder Kontinent freigegeben wird, in dem sie wohnen.

"Mit dem Beginn der sicheren Musik-Übertragung über das Internet benötigen die Besitzer der Inhalte eine Möglichkeit, um ihre Musik-Rechte für die jeweiligen Länder verwerten zu können", meinte Phil Wiser, Chef-Technologe bei Liquid Audio.

Sollten sich die Musikfirmen mit dieser Technik anfreunden, könnte es in naher Zukunft durchaus dazu kommen, dass einzelne Künstler in bestimmten Ländern bevorzugt behandelt werden. Musikfirmen könnten mit Hilfe dieser Technik noch stärker bestimmen, wo und vor allem welche Songs auf der Welt zu hören sein werden.

Nach dem Einstieg von Bertelsmann bei Napster und dem Ende der Tauschbörse Scour scheinen die großen Musikfirmen in diesem Bereich immer mehr an Boden zu gewinnen. Die Technologien werden immer weiter verfeinert und, wie das Beispiel Emusic.com zeigt, erfolgreich gegen Raubkopierer eingesetzt (siehe Meldung von heute). Hier wurden 1000 Napster-Nutzer erwischt, die geschützte Musikstücke über Napster weiter verbreiteten. (PC-WELT, 30.11.2000, mp)

Napster-User in flagranti erwischt (PC-WELT Online, 30.11.2000)

EMusic gegen Napster (PC-WELT Online, 22.11.2000)

Aus für Tauschbörse Scour (PC-WELT Online, 15.11.2000)

Internet nicht mehr kostenlos? (PC-WELT Online, 10.11.2000)

Napster: Standard- und Premium-Varianten? (PC-WELT Online, 06.11.2000)

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