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Mobilfunk überträgt Live-Videos in HD-Qualität

12.03.2008 | 09:55 Uhr |

Die deutschen Mobilfunkanbieter wollen ihre Netze in den kommenden Jahren auf extrem hohe Internet-Bandbreiten aufrüsten. Auf der CeBIT 2008 gab Vodafone einen Vorgeschmack mit 28,8 Megabit pro Sekunde per HSDPA. T-Mobile konterte mit dem Nachfolgestandard LTE und 170 Megabit pro Sekunde.

Die deutschen Mobilfunknetze werden in wenigen Jahren unglaubliche Datenübertragungsraten ermöglichen und die Technik dafür wird jetzt schon aufgebaut. Das ließ sich in der vergangenen Woche auf der CeBIT beobachten. Stolz präsentierte der Netzwerkausrüster Ericsson Geschwindigkeiten von bis zu 170 Megabit pro Sekunde mit dem UMTS-Nachfolgestandard Long Term Evolution (LTE). Ein Techniker von T-Mobile ließ sich das Geheimnis entlocken, dass einige HSDPA-Funkzellen seiner Firma bereits jetzt Übertragungsraten von 14,4 Megabit pro Sekunde ermöglichen. Damit sind sie schneller als die meisten DSL-Anschlüsse. Nur merken kann es niemand, weil es noch gar keine Handys oder Steckkarten für Laptops gibt, die solche hohen Geschwindigkeiten verarbeiten.

Das einzige verfügbare Endgerät auf der CeBIT stammte von Ericsson. Vodafone und T-Mobile setzten es an ihren Ständen für Demonstrationen von LTE und neuen HSDPA-Standards ein. Der schwarze Kasten ist so groß wie ein Taschenbuch und muss ständig drei Lüfter schnurren lassen, um seine Prozessoren zu kühlen. Immerhin ist das ein Fortschritt gegenüber den Vorjahren, als die Testgeräte nur im Auto transportiert werden konnten. Der nagelneue Sony-Laptop am Stand von Vodafone gab schon nach wenigen Minuten seinen Geist auf und zeigte einen Bluescreen. Er hatte sich überhitzt bei der gleichzeitigen Darstellung von drei Filmen in HD-Qualität, die ihm mit 28,8 Megabit pro Sekunde per HSDPA gesendet wurden. Die Übertragung war einfach zu schnell für ihn.

Doch von solchen Kinderkrankheiten lassen sich die Netzbetreiber nicht abschrecken. Bis zum Jahr 2012 rechne man mit 1,8 Milliarden Nutzern mobiler Breitband-Dienste, sagt der Chef von T-Mobile, Hamid Akhavan. Im Jahr 2010 sollen Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde in den Mobilfunknetzen möglich sein. Schon in wenigen Jahren würden mehr Menschen mobile Breitband-Internetzugänge nutzen als DSL, sagt Akhavan. Vodafone ermöglicht bereits jetzt in 2.250 deutschen Städten Übertragungsraten von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde und der Ausbau auf 7,2 Megabit ist in vollem Gange. Die aktuell verkaufte Netzwerktechnik liefert Downlink-Raten von 14,4 Megabit pro Sekunde und Uploads von bis zu 2 Megabit. Die Ericsson-Lösung auf der CeBIT war sogar doppelt so schnell und könnte im kommenden Jahr ausliefert werden, wenn ein Netzbetreiber Interesse zeigt. Der Nachfolgestandard LTE wird bereits vom Branchenverband 3GPP standardisiert.

Zweifler könnten einwenden, dass niemand solche Bandbreiten braucht, aber bisher haben sich immer Anwendungen gefunden. Wahrscheinlich werden nutzergenerierte Inhalte die mobilen Breitbandnetze füllen. Ericsson präsentierte am Stand von T-Mobile eine mobile Videokonferenz in HD-Qualität als Beispiel. Die Übertragung mit 720x576 Pixeln lief ohne Ruckeln und Verzögerung. Ähnliche Ideen hat wohl auch der größte Bandbreitenfresser im Internet: Die Video-Website Youtube bietet immer mehr Videos in hoher Auflösung an. Noch in diesem Jahr soll es möglich sein, die Kamera einzuschalten und sofort Live-Bilder zu übertragen. Durch den Einstieg von Google haben sie jetzt genügend Geld dafür, sagt der Youtube-Gründer Steve Chen.

Wenn genügend Bandbreite zur Verfügung steht, lassen sich solche Live-Bilder auch gleich vom Handy übertragen. Das beweist das amerikanische Startup Qik mit seiner Software für Nokia-Telefone, die sofort nach dem Einschalten die ersten Bilder ins Internet sendet. Immer wieder geraten Neulinge in peinliche Situationen, weil sie nicht merken, dass sie jeder schon auf der Startseite von Qik sehen kann.

So richtig Spaß macht das aber nur per WLAN, selbst wenn man ein HSDPA-Handy besitzt. Viele Mobilfunkantennen in Deutschland sind nämlich nur mit einer E1-Standleitung ans Internet angeschlossen. Sie hat eine Übertragungsrate von gerade mal 2 Megabit pro Sekunde, die auch noch zwischen den Nutzern der Funkzelle geteilt werden muss. So kommt nicht mal ein Anwender auf die volle HSDPA-Geschwindigkeit. Weil solche langsamen Leitungen außerdem bis zu 5.000 Euro pro Jahr kosten, besorgt T-Mobile sich jetzt Unterstützung aus dem eigenen Konzern. Über neue Gateways werden die Mobilfunkantennen an kostengünstige DSL-Leitungen der Telekom angeschlossen.

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