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Künftig schnellere Indizierung von Computerspielen

08.05.2002 | 16:48 Uhr |

Die Indizierung der PC-Spiele 'Unreal Tournament' und 'Return to Castle Wolfenstein' hatte im März bereits die Diskussion um den Jugendschutz bei Computerspielen und Filmen neu angefacht. Seit dem Amoklauf von Erfurt haben nun zahlreiche Politiker die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes gefordert. Einer Neuregelung hat das Bundeskabinett jetzt zugestimmt. Für das Vorgehen der Bundesprüfstelle bei künftigen Indizierungen wird dies deutliche Konsequenzen haben.

Die Indizierung der PC-Spiele 'Unreal Tournament' und 'Return to Castle Wolfenstein' hatten im März bereits die Diskussion um den Jugendschutz bei Computerspielen und Filmen neu angefacht. Seit dem Amoklauf von Erfurt haben nun zahlreiche Politiker die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes gefordert. Das Bundeskabinett hat jetzt einer von Bundesministerin Bergmann vorgelegten Neuregelung des Jugendschutzgesetzes zugestimmt. Diese betrifft auch die Bereiche Computerspiele und Internet. Wir haben für Sie die vier wichtigsten Passagen herausgesucht und geben Sie im folgenden unkommentiert wieder:

"Analog zu der Alterskennzeichnung von Filmen und Videofilmen werden in Zukunft auch Computerspiele und Bildschirmspielgeräte mit einer Alterskennzeichnung versehen und für Kinder und Jugendliche nur entsprechend dieser Alterskennzeichnung freigegeben."

"Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (bislang: Schriften) kann alle herkömmlichen und auch alle neuen Medien indizieren. Die Bundesprüfstelle nimmt die Aufgabe wahr, jugendgefährdende Inhalte in Online-Medien mit Ausnahme des Rundfunks festzustellen. Sie hat dafür die Stellungnahme der "Kommission für Jugendmedienschutz" (KJM), der zentralen Aufsichtsstelle der Länder, einzuholen."

"Das Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle wird neu geregelt. Künftig kann die Bundesprüfstelle auch ohne Antrag tätig werden, um zu gewährleisten, dass möglichst alle jugendgefährdenden Angebote in die Liste der Bundesprüfstelle aufgenommen werden."

"Für Kinder und Jugendliche wird der Zugriff auf schwer jugendgefährdende Medien, insbesondere die mit Gewaltdarstellung, verboten. Schon ohne Indizierung durch die Bundesprüfstelle sollen Trägermedien, die den Krieg verherrlichen, die Menschen in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellen oder Jugendliche in geschlechtsbetonter Körperhaltung zeigen, mit weitreichenden Abgabe-, Vertriebs- und Werbeverboten belegt werden."

Die offizielle Pressemitteilung finden Sie hier , mit weiteren Details und Informationen zu den Hintergründen.

Für das Vorgehen der Bundesprüfstelle bei künftigen Indizierungen werden diese Änderungen deutliche Konsequenzen haben. "Unreal Tournament" beispielsweise war erst drei Jahre, nachdem es auf den Markt gebracht wurde, indiziert worden. Der Grund: Erst dann war ein Antrag bei der BPjS gestellt worden. Künftig werden Spiele schon bei Erscheinen in das Blickfeld der Behörde geraten.

Diskutieren Sie mit: PC-WELT-Leser zum Thema Counterstrike und Erfurt

Soziologe lehnt pauschales Verbot von Kriegsspielen für PCs ab (PC-WELT Online, 08.05.2002)

Indizierungen von PC-Spielen nicht vereinbar mit EU-Recht? (PC-WELT Online, 07.05.2002)

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