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Kritik an Browzar führt zu Nachbesserung

05.09.2006 | 13:55 Uhr |

Vorwürfe, Browzar sei Adware oder gar Spyware, gehen allerdings an der Realität vorbei.

Unter dem Namen "Browzar" wird ein Aufsatz für den Internet angeboten, der besseren Schutz der Privatsphäre verspricht ( wir berichteten ). Die kostenlos angebotene Beta-Version 1.2 ist allerdings schnell in die Kritik geraten. Die Vorwürfe, es handele sich bei Browzar um Adware oder gar um Spyware, sind jedoch übertrieben.

Nach heftiger Kritik an der ursprünglich in Browzar integrierten Suchmaschine, die von Overture gespeist wurde, haben die Entwickler inzwischen Ask.com als neue Suchmaschine eingebaut. Im Vergleich zu Overture sind hier bezahlte ("sponsored") Links deutlich von den normalen Suchergebnissen abgesetzt. Auch andere Suchmaschinen können genutzt werden, müssen jedoch von Hand aufgerufen werden. Die Änderung erfordert keinen erneuten Download von Browzar.

Die FAQ-Seite auf der Browzar-Website wurde überarbeitet. Dem Vorwurf der Werbe-Links in den Suchergebnissen begegnet Ajaz Ahmed, Gründer des britischen Internet-Providers Freeserve und Kopf der Browzar-Entwicklung, mit dem Hinweis, jede Suchmaschine enthalte auch bezahlte Links.

Um als Adware oder Spyware klassifiziert zu werden, müsste Browzar Software auf dem Rechner installieren, die Werbefenster anzeigt oder Benutzerdaten ausspioniert. Dies ist nach bisherigen Erkenntnissen nicht der Fall. Die einzige Werbung sind die bezahlten Links in den Suchergebnissen, durch die der Browser-Aufsatz finanziert werden soll.

Da Browzar kein eigenständiger Web-Browser ist sondern lediglich dem installierten Internet Explorer (IE) eine spartanische neue Oberfläche überstülpt, erbt Browzar auch alle bestehenden Probleme des IE, einschließlich der Sicherheitslücken. Lediglich ein Popup-Blocker unterscheidet Browzar von älteren IE-Versionen, er leistet jedoch weniger als der im IE für Windows XP mit Service Pack 2 integrierte.

Zwar löscht Browzar nach Beenden des Programms Cookies und temporäre Dateien, diese werden jedoch nicht überschrieben und sind daher mit wenigen Fachkenntnissen und frei verfügbaren Werkzeugen wiederherstellbar. Aus den Spuren, die der IE in der Datei "index.dat" zurück lässt, können ebenfalls Rückschlüsse auf besuchte Websites gezogen werden.

Browzar ist jedoch nicht dazu gedacht, zweifelhafte Aktivitäten vor Ermittlungsbehörden zu verbergen. Es soll den Benutzer zunächst vor zu großer Neugier und Datensammelwut der Betreiber besuchter Websites schützen. Da jedoch ferner versprochen wird, der Browser-Aufsatz hinterlasse keine Spuren auf dem benutzten PC, müssen sich die Entwickler den Vorwurf gefallen lassen, die aktuelle Beta-Version könne dieses Versprechen nicht vollständig einlösen.

Auch bei anderen Browsern werden allerdings - soweit entsprechende Funktionen vorhanden oder nachrüstbar sind - temporäre Dateien und Cookies lediglich gelöscht, nicht mehrfach überschrieben. Nur werben deren Anbieter auch nicht so aggressiv mit diesen Funktionen. Browzar muss sich jedoch am selbst gestellten Anspruch der Entwickler messen lassen - und da bleibt noch einiges zu tun.

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