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Mysteriöse Selbstmorde schockieren Wall Street

28.01.2009 | 12:33 Uhr |

Aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise in den USA mehren sich mysteriöse Suizidfälle von einst prominenten Bankern und Börsianern.

Dennoch bringen sich die Manager nicht in allen Fällen auch tatsächlich um, sondern täuschen ihren eigenen Freitod nur vor, um so von der Strafverfolgung nach missratenen Spekulationsgeschäften zu entkommen. Für Furore hat hierbei der Fall des 76-jährigen Hedgefonds-Managers Arthur Nadel gesorgt, der seit Mitte Januar vermisst wird und in einem ominösen Abschiedsbrief von "extremen Schuldgefühlen" sowie Morddrohungen spricht, denen er jedoch zuvorkommen wird. Dass Nadels Fondsfirma Scoop Management Verluste zu beklagen hat, steht für Ermittler der US-Börsenaufsicht SEC fest. Ersten Erkenntnissen nach soll das Unternehmen bis 350 Mio. Dollar verzockt haben.

"Nicht nur Manager gelten als eine selbstmordgefährdete Berufsgruppe. Bisher sind zwar nur einige Fälle, die tatsächlich einen Suizid durchgeführt haben, bekannt. Dennoch gibt es viele Manager, die Suizidenten sind und sich aus einer sozialen und/oder seelischen Notlage heraus ernsthaft mit dem Thema beschäftigen", sagt Manfred Wolfersdorf, Suizidforscher und Leiter der Psychiatrischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Bayreuth , gegenüber pressetext. Laut dem Fachmann sind die Betroffenen mit dem "Scheitern ihres Lebenskonzepts" betroffen. "Hierbei muss auf die Diskrepanz zwischen dem eigenen Ideal und dem gekränkten Ego in der Realität verwiesen werden", fügt Wolfersdorf auf Nachfrage hinzu. Insbesondere seien Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, betroffen.

Obwohl Nadel nach prominenten Fällen wie dem des deutschen Milliardärs Adolf Merckle nicht der erste Managerfreitod im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise wäre, hat die SEC reagiert und den Amerikaner vorsichtshalber des Betrugs angeklagt und Konten eingefroren. Auch fahndet das FBI landesweit nach dem Top-Manager. Ob Nadel tatsächlich tot ist oder seinen "Ökonozid", wie ihn die Finanzbranche bereits sarkastisch tituliert, nur vorgibt, wird die Ermittlungsbehörden Insiderkreisen nach künftig weiter beschäftigen. Der "düstere Wall-Street-Trend", wie ihn der Blog Jossip nennt, hat aber auch einen makaberen Beigeschmack. Einem Bericht des Spiegels nach hat der 38-jährige Finanzberater Marcus Schrenker seinen Suizid vorgetäuscht, um sich von den Beschuldigungen des Anlagebetrugs reinzuwaschen.

Dabei sind inszenierte Suizide wie im Fall Schrenker, der mit seinem Helikopter kurz nach dem Start SOS funkte und dann doch mit einem Fallschirm absprang, keine Ausnahme. Ein weiteres Beispiel für kriminelle Energie dieser Art ließ sich im vorigen Sommer beobachten. Um der 20-jährigen Haftstrafe zu entgehen, inszenierte der Gründer des Pseudo-Hedge-Fonds Bayou, der damit 450 Mio. Dollar unterschlagen hatte, seinen Freitod in den Hudson River. Neben diesen bizarren Theaterstücken existieren aber auch reale Selbstmorde. Im Zuge der Übernahme des Investmenthauses Bear Stearns durch die US-Großbank JP Morgan Chase stürzte sich Barry Fox, ein Bear-Stearns-Manager, aus dem Fenster. "Bei Managern, die wie Merckle in der Öffentlichkeit standen, kommt hinzu, dass die vorherige Position und das damit verbundene Bild für immer verloren ist", sagt Wolfersdorf im Gespräch mit pressetext.

Neben dem Fall Fox sorgte auch Thierry de la Villehuchet für Aufsehen. Der Chef der Fondsfirma AIA hatte fast 1,5 Mrd. Dollar in der Affäre Madoff verloren, darunter auch sein Privatvermögen. Am Abend des 23. Dezembers nahm der 65-Jährige Schlaftabletten und schnitt sich die Pulsadern auf. Auch Vorstandschef der Immobilienauktionsfirma Sheldon Good & Co, der 52-jährige Steven Good, fuhr zu Jahresbeginn, derselbe Tag des Merckle-Suizids, in einen Wald bei Chicago und erschoss sich. Aber auch Scott Coles, 48, von der Investmentfirma Mortgages Inc. beging im schwarzen Smoking im Zuge des eigenen Unternehmensuntergangs Selbstmord. (pte)

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