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Zahlungsausfälle treiben Unternehmen in den Ruin

10.11.2008 | 11:49 Uhr |

Säumige Kunden, die ihre Rechnungen nicht fristgerecht bezahlen, gefährden immer stärker die Existenz vieler europäischer Unternehmen.

Weil sich viele Gesellschaften aus Zeiten der Hochkonjunktur zur Vernachlässigung ihres Mahnwesens haben verleiten lassen, müssen sie derzeit 55,5 Tage auf ihr Kundengeld warten. Wie der Kreditmanagement-Spezialist Intrum Justitia in seiner europaweiten Untersuchung "European Payment Index" erhoben hat, summieren sich die Außenstände auf aktuell mindestens 250 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Belgiens. Problematisch hierbei seien nicht nur die hohen Zahlungsausfälle als vielmehr die dahinter stehende Kreditklemme seitens der Banken. Diese gestalten ihre Kreditvergabepraxis bei kleinen Betrieben immer restriktiver.

"Sicher ist, dass die Hausbanken die Strategien ihrer Kunden schärfer unter die Lupe nehmen, und bei Markt- und/oder Eigenkapitalschwächen sofort reagieren. Das heißt, dass sie Kredite entweder verteuern, fällig stellen, nicht mehr verlängern oder den Rahmen einfrieren", erklärt Andreas Reinthaler, Geschäftsführer der paneuropäischen Beratungsdienstleister-Gruppe M27 . Laut dem Insider sei in Zeiten wie diesen die Stärkung der Eigenkapitalbasis eine wichtige Voraussetzung für Investitionen. Besondere Bedeutung gewinnen staatlich gestützte Tools, wie Förderungszuschüsse, stille Beteiligungen, Haftungsübernahmen oder Garantien. "Sie stehen in großer Zahl und in einem ausreichenden Volumen den Unternehmen zur Verfügung - sowohl großen Firmen als auch KMU", erläutert Reinthaler.

Dieser Hinweis scheint angebracht, da Intrum Justitia ermittelt hat, dass vor allem die kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern besonders schwer von Zahlungsverzögerungen sowie -ausfällen betroffen sind. Schließlich müssen diese aktuellen Zahlen nach im Durchschnitt 3,1 Prozent ihrer Forderungen vollständig ausbuchen. Nur wenig besser geht es hingegen Firmen mit bis zu 49 Angestellten, da diese im Schnitt auf drei Prozent der ihnen zustehenden Summe verzichten müssen. Bei Gesellschaften mit 250 bis 499 Mitarbeitern sind es hingegen nur 1,5 Prozent. Vor allem den kleinen Betrieben fehlt es laut den Fachleuten oft an einem effizienten Forderungsmanagement. Die Finanzmarktkrise macht diesen Unternehmen deshalb besonders schwer zu schaffen, da sie kurzfristige Liquiditätsengpässe nur schwer ausgleichen können.

Von den Zahlungsausfällen überproportional betroffen sind besonders Bildungsinstitutionen, die Dienstleistungsbranche, Medienunternehmen und nicht zuletzt die Bauindustrie. Hierbei scheinen sich größere Unternehmen angewohnt zu haben, das Bezahlen fälliger Rechnungen zum Teil mit Absicht hinauszuzögern. So konnte Intrum Justitia feststellen, dass diese damit beginnen, ihre vereinbarten Zahlungsziele zum Teil deutlich zu überschreiten. Diese Praxis geht vor allem zulasten der kleineren Unternehmen, die in der Folge das Begleichen eigener Rechnungen ungewollt verzögern müssen. "Wir befürchten einen negativen Effekt für die weitere wirtschaftliche Entwicklung", unterstreicht Michael Wolf, Vorstandsvorsitzender der Intrum-Justitia-Gruppe. Investitionen blieben somit auf der Strecke. (pte/jp)

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