98782

Kreditkarten-Datenklau: deutsche Kunden bislang verschont

Kreditkarteninhaber in Deutschland sind nach dem millionenfachen Datendiebstahl in den USA bislang von kriminellen Attacken verschont geblieben.

Kreditkarteninhaber in Deutschland sind nach dem millionenfachen Datendiebstahl in den USA bislang von kriminellen Attacken verschont geblieben. "Unsere Prüfungen haben ergeben, dass es in Deutschland noch keinen Fall des versuchten Betrugs" gegeben hat, teilte das Unternehmen Mastercard am Dienstag auf Anfrage in Frankfurt mit. Auch dem Konkurrenten Visa ist kein Missbrauch bekannt. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Betrüger die Daten jetzt noch benutzt, weil Kunden und Banken alarmiert sind", sagte eine Visa-Sprecherin.

Die beiden Marktführer gehen davon aus, dass weltweit rund 100.000 Kreditkarten-Besitzer tatsächlich gefährdet sind. Mastercard meldet 68.000 Kartendaten, die von Hackern gelesen wurden, Visa spricht von 40.000 Karten, deren kompletten Magnetstreifendaten entwendet wurden. Diese Karten hätten ein erhöhtes Risiko. Für Deutschland ergibt sich damit rechnerisch ein kleiner Anteil von mehreren 10.000 der insgesamt über 20 Millionen ausgegebenen Karten.

"Generell sind nur Kunden betroffen, die in jüngster Zeit in einem Geschäft in den USA mit Kreditkarte gezahlt haben oder im Internet online in Amerika eingekauft haben", sagte ein Mastercard-Sprecher. Für den Datendiebstahl sei der Dienstleister CardSystems Solutions verantwortlich, der mit der Abwicklung von Kreditkarten-Transaktionen befasst war.

Die Banken sehen die Angelegenheit bislang gelassen. Der Branchenführer Deutsche Bank lässt über die Gesellschaft für Zahlungssysteme die Kontobewegungen gefährdeter Kunden auf Unregelmäßigkeiten prüfen. "Von einer generellen Sperrung der Karten sehen wir ab", sagte ein Banksprecher. Es handle sich nicht um ein deutsches Problem. Die Commerzbank wartet Informationen aus den USA ab, ob überhaupt Karten von Commerzbank-Kunden betroffen sind. "Das wäre eher Zufall", hieß es. Konten seien nicht gesperrt worden.

Die Verbraucherzentralen wiesen darauf hin, dass Kreditkartenbesitzer gegen kriminelle Transaktionen geschützt sind. Die Karteninhaber trügen nicht die Haftung, wenn Zahlungen ohne Unterschrift akzeptiert werden. Das gelte sowohl für kleine als auch große Beträge bis zu 10.000 Euro und mehr, sagte eine Bankenexpertin der Verbraucherzentrale in Hamburg. Das Risiko liege bei den Kreditkartenfirmen. Der Bundesverband deutscher Banken rät Verbrauchern, regelmäßig ihre Kreditkartenabrechnung zu kontrollieren. Bankkunden sollten dubiose Transaktionen sofort bei den Banken reklamieren und sie sich dann auch dort rückerstatten lassen, sagte eine Verbandssprecherin in Berlin.

Kreditkarten-Datenklau: Auch Kunden in Europa betroffen (PC-WELT Online, 21.06.2005)

40 Millionen Kreditkarten-Daten in USA gestohlen (PC-WELT Online, 20.06.2005)

0 Kommentare zu diesem Artikel
98782