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Kündigung wegen Morddrohung per Mail

16.07.2008 | 10:47 Uhr |

Die Blumenversandfirma 1-800-Flowers.com sagte es nicht durch die Blume, sondern sprach Klartext: Die Firma feuerte eine Mitarbeiterin, weil sie von ihrem Firmen-Mailaccount aus eine Morddrohung verschickt hatte.

Wenn eine Firma ihr Geschäft mit dem Versand von Blumen macht, dann stellt man sich die Mitarbeiter eigentlich als eher sympathische, friedliche Zeitgenossen vor. Doch eine Mitarbeiterin der US-Firma Kreationismus hatte es wohl weniger mit sanften Blumengrüßen, sondern bevorzugte stattdessen die harte Variante: Sie schrieb einem Biologie-Professor eine Mail, in dem sie ihm androhte, dass ihm der Schädel eingeschlagen werde.

Der Biologie-Professor hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen, er hatte einfach nur das getan, was man von einem Wissenschaftler erwartet: Nämlich wissenschaftlich argumentiert. Allerdings suchte er sich dafür einen Bereich aus, der derzeit in den USA der vermutlich meist umstrittenste Diskussionsgegenstand überhaupt sein dürfte. Nämlich die Frage nach der Erschaffung der Erde und um die diesbezüglichen Thesen der Kreationisten, die besonders unter der erzkonservativen Politik des US-Präsidenten George W. Bush zunehmende Verbreitung fanden und finden. Die Kreationisten lehnen - vereinfacht gesagt - die naturwissenschaftlichen Theorien zur Entstehung der Erde und des Lebens auf der Erde ab und orientieren sich dagegen streng an der Bibel und deren Schöpfungslehre. Das führt seit einiger Zeit zu heftigen Kontroversen, so fordern die Kreationisten Änderungen im Biologie-Unterricht an den Schulen und lehnen Darwins Thesen ab.

Paul "PZ" Myers nimmt als Biologie-Professor seit längerer Zeit an diesem Disput teil. Schließlich ist er als Biologie-Professor maßgeblich von den Thesen der Kreationisten und deren Forderung nach Änderung des Biologieunterrichts betroffen, obendrein bezeichnet sich Myers selbst als Atheisten. Myers verständlicher Widerstand gegen den Kreationismus rief allerdings den Zorn der "Blumenfrau" von 1-800-Flowers.com hervor, die offensichtlich an die Thesen der Kreationisten glaubt. In ihrem kreationistischen Eifer legte die Dame jedoch alle christlichen Prinzipien wie Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit beiseite und zog - zumindest verbal - die Eisenhandschuhe an: Sie schrieb von ihrem Firmenaccount eine Mail an Professor Myers als Reaktion auf dessen jüngsten Blogeintrag, in der sie ihm ein Ultimatum setzte: Entweder er tritt bis zum 1. August von seiner Professur an der Universität zurück oder ihm wird der Schädel eingeschlagen.

Der Mitarbeiterin wurde anscheinend nach dem Abschicken der Mail erst bewusst, dass sie sich da ganz erheblich im Ton vergriffen hatte und dass ihre Firma das so nicht hinnehmen würde. Sie schrieb deshalb einige Tage später eine weitere Mail an Myers, indem sie versuchte sich zu rechtfertigen. Sie habe die Mail gar nicht selbst verschickt, jemand anders müsse das gemacht haben. Sie entschuldige sich dafür.

1-800-Flowers.com ging der Sache nach, überprüfte die IP-Adresse und entließ daraufhin die tatsächliche oder vermeintliche Mailschreiberin. Die Firma berief sich darauf, dass alle Mitarbeiter darüber belehrt wurden, dass sie für jeden Missbrauch ihrer PCs oder Mailaccounts haftbar gemacht würden. Somit sei es letztendlich unerheblich für die Kündigung, ob die Mitarbeiterin tatsächlich selbst die Hass-Mail geschrieben habe oder jemand anderes dies von ihrem ungesicherten PC aus gemacht habe.

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